7.6.2020

Kreditstundungen sollen verlängert werden – Achtung Zinsenfalle!

Das gesetzliche Recht auf Kreditstundungen gilt noch bis 30. Juni. Nun plant die Regierung, das Stundungsrecht um weitere vier Monate – bis 31. Oktober – zu verlängern. „Das ist positiv. Es braucht aber auch einen Zinsenstopp während des Stundungszeitraumes, denn wenn im Hintergrund die Zinsen unbemerkt weiterlaufen, dann wird es teuer!“, sagen die AK KonsumentenschützerInnen. 

Regierung plant Kreditstundungen bis Oktober zu verlängern

Im Rahmen des 3. Corona-Paketes hat die Regierung ein gesetzliches Recht für Kreditstundungen bei Verbraucherkrediten beschlossen. Demnach haben KreditnehmerInnen in Zahlungsschwierigkeiten das Recht, ihre Kredite für drei Monate zu stunden, das heißt: Die Kreditlaufzeit verlängert sich um drei Monate. Das gilt für Konsum- und Hypothekarkredite und beinhaltet, dass Pauschalraten, Tilgungs- und Zinszahlungen während des Stundungszeitraumes ausgesetzt werden können.

Nun liegt ein Änderungsvorschlag vor. „Es ist ein richtiger Schritt, dass das gesetzliche Stundungsrecht um weitere vier Monate verlängert werden soll, nämlich bis 31. Oktober“, betonen die AK KonsumentenschützerInnen. „Falls die Arbeitslosigkeit weiter so hoch bleibt, sollte dieses Recht auf Kreditstundungen über den 31. Oktober verlängert werden.“ Was der AK besonders wichtig ist: „Die Gesetzesnovelle muss klarstellen, dass die Banken während des Stundungszeitraumes die vertraglich vereinbarten Zinsen nicht weiter verrechnen dürfen“, verlangt die AK.Erfolgen etwa gar keine Kreditrückzahlungen und die Zinsen laufen weiter, dann wächst im Hintergrund – von Konsumentinnen und Konsumenten unbemerkt – der aushaftende Kreditsaldo.“

Beispiel

Ein Beispiel zur Illustration: Bei einem Wohnkredit sind 100.000 Euro offen, der Zinssatz beträgt 1,8 Prozent pro Jahr. Laufen die Zinsen über zwei Quartale (sechs Monate) weiter, ohne dass Rückzahlungen erfolgen, dann fallen Zinsen von rund 912 Euro an. Der Kreditsaldo steigt also durch die Zinsanlastung auf 100.912 Euro.

Diese Dynamik von Zinseszinsen ist vor allem bei Wohnkrediten mit hohen Kreditsummen und bei teuren Konsumkrediten nicht zu unterschätzen. Der Anstieg der Zinslast entfällt nur dann, wenn während des Stundungszeitraumes keine Zinsen anfallen („Zinsenstopp“). Die AK fordert, dass die Banken in der Krise nicht mehr Geld auf dem Rücken der KreditnehmerInnen verdienen sollen. „Denn das Ziel des Gesetzgebers ist die finanzielle Entlastung von Kreditnehmern in Zahlungsschwierigkeiten. Die durch die Stundung verlängerte Laufzeit des Kredites soll nicht dazu führen, dass die Banken auch drei bis sieben Monate mehr an Zinsen lukrieren. Die gesetzlichen Schutzbestimmungen dürfen kein Zubringer für höhere Erträge sein“, so die AK ExpertInnen.    

AK fordert: Zinsenstopp während Stundungszeitraum!

Die Regierung plant, Kreditstundungen bis Oktober 2020 weiter zu verlängern. Es braucht unbedingt einen Zinsenstopp während des Stundungszeitraumes, verlangt die AK. Ansonsten erleben KonsumentInnen eine böse Überraschung – der Kredit wird viel teurer aufgrund der im Hintergrund unbemerkt laufenden Zinseszinsen. Überdies müssen die gesetzlichen Regeln klarer ausformuliert werden: Das Stundungsrecht muss ausgeweitet werden.

Die AK fordert, dass die gesetzlichen Bestimmungen zu den Kreditstundungen klarer und konsumentenfreundlicher ausformuliert werden. Konkret verlangt die AK:  

  • Zinsenstopp während Stundungszeitraums: Es sollen keine Zinsen während des Stundungszeitraumes angelastet werden – das soll das Gesetz klarstellen. Der Zinsenlauf soll also gestoppt werden. Dazu zählt auch, dass keine Spesen während des Stundungszeitraumes verrechnet werden. Die österreichische Regelung fällt hinter die deutsche Gesetzgebung zurück. In Deutschland fallen im Stundungszeitraum keine Zinsen an. 

  • Stundungsrecht für alle Kredite: Im Wesentlichen gilt das gesetzliche Stundungsrecht nur für Bankkredite. Es sollen aber alle Formen von Verbraucherkrediten umfasst werden, vor allem inklusive Finanzierungsleasing und Warenkredite sowie Kontoüberziehungen. Außerdem sollen weitere Schutzbestimmungen – die Beschränkung von Verzugszinsen und Inkassokosten – und der Ausschluss von Konventionalstrafen an die im Gesetz vorgesehene Oktoberfrist angeglichen werden. 

  • Stundungen für mehr KonsumentInnen: Nicht nur KreditnehmerInnen sollen in den Genuss von Stundungen gelangen, sondern alle Zahlungsverpflichteten eines Kreditvertrages wie Bürgen oder Garanten. 

  • Bedingungen für Stundungsrecht flexibler gestalten: Es gibt einzelne Fälle, etwa MitarbeiterInnen in der Gastronomie, die von den Banken abgewiesen wurden, weil sie bereits vor dem Lockdown arbeitslos waren. Der von den Banken ins Treffen geführte Grund der saisonbedingten Arbeitslosigkeit greift gerade in der Gastronomie und Hotellerie für die AK nicht – denn wegen der Corona-Krise gibt es momentan verringerte Arbeitschancen für Betroffene.  

  • Minus auf dem Konto begrenzen: Viele Menschen brauchen finanzielle Überbrückungen und überziehen daher ihr Girokonto. Die Banken sollten auch hier kein lukratives Zusatzgeschäft machen und ihren KundInnen einen verbraucherfreundlichen Corona-Zinssatz für ein Minus auf dem Konto für ein Jahr verrechnen – maximal fünf Prozent!

Tipp

Die neue AK Broschüre „Was tun, wenn es Rückzahlungsprobleme beim Kredit, Kontoüberziehung & Co gibt?“ zum Downloaden finden Sie hier

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