11.3.2015

Lehrlingsparlament hatte Premiere im Hohen Haus

Das „Ausbildungskodex-Gesetz“ ist fiktiv, aber es wurde nach allen Regeln parlamentarischer Gesetzgebungskunst an einem langen Sitzungstag erarbeitet und mit Mehrheit dort beschlossen, wo über Gesetze abgestimmt wird - im Plenarsaal des Nationalrats. Die 100 „Abgeordneten“ waren Lehrlinge unterschiedlicher Berufe aus Handelsketten, Industrie- und Baufirmen sowie Verkehrs- und Telekommunikationsunternehmen in ganz Österreich.

Jugendliche aus den Betrieben brillierten auf dem politischen Parkett

Am Rednerpult sah und hörte man selbstbewusste junge Menschen, die rednerisch zu überzeugen wussten und sich auf ebenso sympathische wie leidenschaftliche Weise für die Verbesserung der Lehrausbildung in Österreich einsetzten. Sie forderten einen verständlichen Leitfaden für die Ausbildung in jedem Lehrbetrieb, einen klaren Ausbildungsplan für jedes Lehrjahr, Förderungsmaßnahmen für Lehrlinge, zwei Wochen Zeit zur Vorbereitung auf die Abschlussprüfung, Prämien für Erfolge, einen respektvollen Umgang zwischen AusbilderInnen und Lehrlingen sowie regelmäßige vertrauliche Aussprachen über Ausbildungs- und Arbeitsplatzfragen.

In Form von Entschließungen setzte sich das Lehrlingsparlament mehrheitlich für die Modernisierung der Berufsschulen, die Teilnahme von Lehrlingen an Betriebsratswahlen, für die Förderung von Lehrlingen mit besonderen Bedürfnissen, für die Qualitätssicherung des Unterrichts in Berufsschulen und für einen Jugendvertrauensrat ein.

Thema Berufsausbildung - Lehrlinge in der Rolle von Abgeordneten

Zur Vorbereitung auf ihre Diskussionen erhielten die Lehrlinge eine Themeneinführung von Günther Zauner, Lehrlingsexperte der Arbeiterkammer, und Peter Zeitler, der in der Wirtschaftskammer mit Fragen der Berufsausbildung befasst ist. Über die formalen Abläufe im Gesetzgebungsprozess informierten MitarbeiterInnen der Parlamentsdirektion. Bei der Bearbeitung der Gesetzesvorlage unterstützten zudem Abgeordnete aller Parlamentsparteien die JungparlamentarierInnen. 

Die TeilnehmerInnen am Lehrlingsparlament deckten vom Maurer bis zur Elektrotechnikerin eine breite Palette an Lehrberufen ab und kamen aus zehn Betrieben mit sehr unterschiedlichen Geschäftsfeldern: A1, dm, Kapsch, ÖBB, REWE, Siemens, Spar, STRABAG AG, voestalpine, Wiener Linien. (Quelle: Parlamentskorrespondenz)