3.4.2017
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Lehrlinge können Kunst!

In der Bau-Berufsschule machten die Lehrlinge sofort mit, als ihnen die Kunsthalle Wien vorschlug, gemeinsam mit dem Künstler Karsten Födinger eine Skulptur zu entwickeln, die ihre Interessen und Gefühle ausdrückt (in Kooperation mit der Arbeiterkammer und der Schule). Jetzt ist die Skulptur fertig. Sie ist ein Gästehaus aus Beton und heißt „Gäste / Gosti / Misafirler“. Mitgearbeitet hat zum Beispiel Maurer- und Schallungsbaulehrling Linda Limbeck. Sie findet es „leiwand, anzupacken und dreckig zu werden“. Dabei war auch Maurerlehrling Tugay Yilmaz. Ihm macht „Betonmischen viel Spaß“. Die Skulptur zeigt Gefühle der Jugendlichen. Und, so Tugay: „Da wir aus unterschiedlichen Ländern kommen und uns alle gut verstehen, habe ich vorgeschlagen, dass wir auch Fahnen machen sollten.“

TIPP

Die Skulptur steht vor der Kunsthalle Wien, Karlsplatz, 1040, Rosa-Mayreder-Park (Treitlstraße 2).

Making-of-Video


TIPP

Weitere Bilder vom Projekt finden Sie hier: Don't BE afraid of Art

Die Skulptur

ist das Resultat einer Zusammenarbeit von Schülern der Berufsschule für Baugewerbe mit dem Künstler Karsten Födinger. Initiiert wurde das Projekt von der Vermittlungsabteilung der Kunsthalle Wien in Kooperation mit der Arbeiterkammer Wien und der Berufsschule für Baugewerbe.

Gäste / Gosti / Misafirler nimmt Bezug auf den Umgang mit Beton, einem Material, das den Lehrlingen vertraut ist, das aber im täglichen Umgang üblicherweise eine rein zweckgebundene Verwendung erfährt. Durch den künstlerischen Input wurde der Weg für eine experimentelle Herangehensweise bereitet, aus der schließlich die Idee für die Skulptur entstand.

Die von den Jugendlichen entwickelte Projektidee hatte von Anfang an sozialen Charakter, was sich auch im Titel der Arbeit niederschlägt: Gäste / Gosti / Misafirler – ein Begriff in Deutsch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch und Türkisch: jenen Sprachen, die in der Klasse gesprochen werden. Gäste / Gosti / Misafirler spiegelt die Wahrnehmung der Lehrlinge wieder, sich im Kunstumfeld und in der Wiener Innenstadt, anders als in ihren Wiener Heimatbezirken, nicht zuhause zu fühlen. Mit dem Projekt regen die Schüler zur Auseinandersetzung mit aktuellen, gesellschaftspolitischen Fragen an: Wer ist Gast? Wie definiert die Gesellschaft Gastfreundschaft? Wie schafft man einen Ort des Zusammenlebens für eine diverse Gesellschaft, und wie werden Gäste willkommen geheißen?

Die Multinationalität der Klassengemeinschaft und der Gesellschaftsstruktur, die sich im Titel manifestiert, wird von den Schülern in der Gestaltung der Außenwände des Gästehauses aufgegriffen, die Fahnen in stark abstrahierter Form zeigen. Im Inneren verbinden eine Sitzbank, ein Box-Sack, die Silhouette eines jungen Mannes und ein Vulkan aus Beton unterschiedliche Ebenen: den Vulkan, ein in diesem Zusammenhang funktionsloses, gleichzeitig aber spektakuläres Objekt; den Box-Sack, einen Katalysator für Energie- oder Aggressionsabbau und die Sitzbank, als Einladung zum Innehalten.

Kunsthalle Wien

Die Kunsthalle Wien sieht ihre Aufgabe in der Vermittlung zeitgenössischer Kunst. Mit partizipativen Projekten werden Hemmschwellen abgebaut, um Wege zum Verständnis der Gegenwartskunst zu eröffnen. Workshops wie diese Kooperation sind eine große Herausforderung, aber auch ein wichtiger Bestandteil dieser Arbeit. Die Ergebnisse der Zusammenarbeit werden ausgestellt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

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