Reader zur Verteilungsgerechtigkeit

Kinder entwickeln bereits sehr früh Vorstellungen von Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, von Gleichheit und Ungleichheit. Spätestens im Volksschulalter nehmen sie wahr, dass einige Kinder aus ihrer Klasse oder aus ihrem Umfeld immer die neueste Markenkleidung tragen, mit ihren Eltern besonders teure Urlaube machen und auf Schulausflügen scheinbar bedenkenlos einkaufen können. Andere Kinder können das selten oder nie.

Diese und andere Phänomene aus den Wahrnehmungswelten der Kinder und Jugendlichen sind selbstverständlich auch in der Sekundarstufe I und II bedeutsam, lassen sich mit zunehmender Komplexität bearbeiten und verdienen pädagogisch-didaktische Aufmerksamkeit, weswegen sich der vorliegende Reader auf die Altersgruppe der 10- bis 18/19-Jährigen bezieht.

So ist die Thematisierung des Taschengeldes im Unterricht heikel, weil hier aufgrund von Ungleichverteilungen zwischen den SchülerInnen bereits innerhalb einer Klasse besondere Sensibilität angesagt ist und etwa bei der Höhe des Taschengeldes nicht – wie bei anderen Themen durchaus üblich und didaktisch sinnvoll – von den Lebenswelten der jungen Menschen ausgegangen werden sollte.

Andere sozioökonomische Themen sollten sehr wohl an die Lebenswelten der SchülerInnen anknüpfen und tragfähige Beziehungen herstellen. Darunter finden sich spannende Themenfelder wie Vermögensverteilung in Österreich und Europa, Gender und Vermögen, Vermögenseinkommen, Managergehälter, Erben, Vermögens- und Erbschaftssteuern, vermögensbezogene Steuern, Steuervermeidung, öffentliches und privates Vermögen, Vermögenskonzentration und Macht, Steuergerechtigkeit etc. 

Diese erste Übersicht zeigt bereits eines sehr deutlich: Verteilungsgerechtigkeit und Ungleichheiten sind nicht nur alltagsweltliche Phänomene, die im Schulunterricht ihren Platz finden sollten, sondern auch zutiefst politische und gesellschaftspolitische Themen. Es lohnt sich daher sowohl für Lehrende als auch für Lernende, basierend auf den Fakten Zusammenhänge zu erschließen, nachzudenken und sich selbst eine Meinung zu bilden.

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