22.4.2020

Insolvenzen in Corona-Zeiten: AK hilft auch in der Krise

„Die Insolvenz des Unternehmens ist für die Beschäftigten immer ein Härtefall. In Zeiten von Corona aber umso schlimmer, denn einen neuen Job finden, ist derzeit praktisch unmöglich. Zudem kommt die Unsicherheit, wie fällige Bezüge jetzt ausbezahlt werden. Die AK ist auch in dieser Situation eine verlässliche Partnerin und verhilft den Betroffenen zu ihren Ansprüchen“, sagt AK Präsidentin Renate Anderl.

Hilfe für Betroffene auf neue Beine gestellt

Um ihren Aufgaben weiterhin gerecht werden zu können, haben die Insolvenz-ExpertInnen in der AK Wien ihre Beratung auf völlig neue Beine gestellt. „Das ist vor allem bei größeren Insolvenzen wie es derzeit bei Vapiano und Colloseum der Fall ist, eine Herausforderung. Denn Gruppentermine – wie sonst üblich – können nicht abgehalten werden“, erklärt Karin Ristic, Leiterin der Abteilung Insolvenzschutz in der AK Wien. Auch persönliche Einzelgespräche finden derzeit nicht statt.

Stattdessen wurden alle Termine in den digitalen Raum verlagert. So werden Einzelgespräche nun telefonisch absolviert, Veranstaltungen für Gruppen großteils via E-Mail aber auch via Brief erledigt. „Besonders wichtig ist natürlich, dass wir die zur Vertretung erforderlichen Formulare und die zur Berechnung der offenen Forderungen notwendigen Lohnunterlagen bekommen. Auch das erfolgt derzeit nur per Brief oder E-Mail, was natürlich länger dauert als bei einer Gruppenveranstaltung. Aber es klappt“, betont Ristic.

Vapiano und Colloseum aktuell in Bearbeitung

Aktuell werden etwa die Großinsolvenzen Vapiano und Colloseum bearbeitet. Bei Vapiano sind 607 MitarbeiterInnen an zwölf Standorten betroffen, bei Colloseum 329 MitarbeiterInnen an 57 Standorten. Bei Vapiano wurden die Forderungen der ArbeitnehmerInnen seit März nicht mehr ausbezahlt. Ein Großteil der Arbeitsverhältnisse wurde Mitte März bis Anfang April, teilweise mit Wiedereinstellungszusagen, aufgelöst. Die noch aufrechten Arbeitsverhältnisse werden durch die Insolvenzeröffnung nicht beendet.

Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer müssen weiterhin arbeitsbereit sein. Alle Restaurants sind derzeit aufgrund der Corona-Maßnahmen geschlossen. Das Unternehmen strebt eine Sanierung in Eigenverwaltung an. Bei der Bekleidungskette Colloseum sind ebenfalls die Entgelte ab März offen. Die Dienstverhältnisse sind weiter aufrecht, die MitarbeiterInnen müssen arbeitsbereit sein.

Ansprüche sind durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds gesichert

AK Expertin Ristic macht auch darauf aufmerksam, dass die betroffenen Beschäftigten auch Informationen auf der AK Homepage bekommen und betont: „Wichtig ist, dass die offenen Ansprüche so rasch wie möglich als Insolvenz-Entgelt ausbezahlt werden.“

Gesichert sind die Ansprüche der Beschäftigten durch den Insolvenz-Entgelt-Fonds – und zwar bis zu sechs Monate rückwirkend. Offene Ansprüche können sein: Entgelt, nicht verbrauchter Urlaub, Sonderzahlungen, eine Abfertigung nach altem Recht oder eine Kündigungsentschädigung, je nachdem, wie das Arbeitsverhältnis beendet wurde.

Die AK hilft den MitarbeiterInnen durch Berechnung und Durchsetzung der Ansprüche. Der Insolvenz-Entgeltfonds und der Masseverwalter prüfen die Ansprüche. Die AK setzt sich dafür ein, dass die Prüfung rasch erfolgen kann und Insolvenz-Entgelt ausbezahlt werden kann.

Vertreten werden die ArbeitnehmerInnen sowohl im gerichtlichen Insolvenzverfahren als auch im Verfahren zur Geltendmachung der Ansprüche vor dem Insolvenz-Entgelt-Fonds vom ISA, einem gemeinsamen Verein von AK und Gewerkschaften. Von 2009 bis 2019 wurden vom ISA österreichweit 290.093 ArbeitnehmerInnen vertreten. Die Vertretung durch den ISA ist für die Beschäftigten kostenlos.

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