06.03.2017
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AK Analyse: Wohnst du schon oder suchst du noch?

Eine neue AK Analyse der Mikrozensus-Wohndaten für Wien der Statistik Austria belegt: Zwei von drei Mietverträgen werden in Wien im privaten Segment abgeschlossen – und da ist es extrem teuer. MieterInnen müssen im Schnitt mit elf Euro pro Quadratmeter brutto rechnen – um rund drei Euro mehr als im sozialen Wohnbau. Überdies sind zwei von drei neuen Verträgen im privaten Bereich befristet.

Das zeigt die AK Analyse

Die AK Analyse der Mikrozensus-Daten der Statistik Austria 2015 für Wien zeigt konkret:

Wien wächst: Die Wiener Bevölkerung ist in den vergangenen drei Jahren um rund 100.000 Menschen angewachsen – das entspricht in etwa der Bevölkerung Klagenfurts. Die Anspannung am Wiener Wohnungsmarkt hat sich weiter erhöht.

Wohnen auf Zeit – kostspielig und prekär: 2014 (aktuellstes vollständig enthaltenes Jahr im Mikrozensus 2015) wurden insgesamt knapp 56.400 neue Mietverträge unterschrieben: zwei von drei – mehr als 39.900 – im privaten Segment. Von den privaten sind wiederum zwei von drei befristet. Befristete Neuverträge im Altbau sind im Schnitt erheblich teurer, als gesetzlich zulässig wäre. Der Grund: Die gesetzlichen Mietzinsvorschriften bei befristeten Altbauwohnungen werden in der Regel nicht eingehalten. „Befristete Mietverträge bedeuten für viele Mieter enorme Wohnunsicherheit. Sie müssen sich nach kurzer Zeit wieder auf Wohnungssuche begeben – das ist wiederum mit hohen Kosten verbunden, etwa fürs Übersiedeln oder den Makler, aber mitunter auch mit einem Verlust der gewohnten sozialen Kontakte und Umgebung“, sagt AK Präsident Rudi Kaske. „Wer verlängern will, muss dann sehr oft mit höheren Mietpreisen rechnen.“ 

Private am teuersten: Wer einen privaten Mietvertrag neu abschließt, muss tief ins Geldbörsel greifen. Im Schnitt zahlen MieterInnen elf Euro pro Quadratmeter brutto. „Das sind um rund drei Euro mehr als im sozialen Wohnbau“, so Kaske. Es ist davon auszugehen, dass vielfach Zuschläge in einer Höhe verlangt werden, die sachlich nicht zu rechtfertigen ist. „So zahlt ein Mieter in einer privaten 70 Quadratmeter Mietwohnung über 200 Euro pro Monat mehr als in einer Gemeindewohnung pro Monat“, erklärt der AK Präsident. „Ein junger Single, der gerade am Anfang seines Berufslebens steht und noch nicht viel verdient, zahlt rund 440 Euro kalt, also ohne Strom und Heizung, für eine neu angemietete private 40 Quadratmeter Wohnung“, erläutert Kaske. „Satte 40 Prozent seines Einkommens gehen allein für die Miete drauf.“

Wohnen muss leistbar sein!

„Wohnen bleibt teuer“, konstatiert AK Präsident Rudi Kaske. „Und schon kommt die nächste Kostenkeule auf die Mieter zu. Die Richtwerte werden angehoben – im April für Neuverträge und im Mai für bestehende Mietverhältnisse“, so Kaske. „Für junge Menschen ist es schon schwierig genug, eine passende Wohnung zu finden und dann muss sie auch noch finanziert werden.“ Die AK verlangt: Her mit einem einfachen transparenten Mietrecht und mehr geförderten leistbaren Wohnungen.

Derzeit herrscht beim Thema Wohnen Stillstand. Im neuen Arbeitsprogramm der Regierung steht kein einziger Satz zur Mietrechtsreform und zu den Maklerprovisionen. „Wohnen ist zu wichtig, als dass bei einer Mietrechtsreform immer wieder auf der Bremse gestanden wird“, sagt Kaske. Die AK verlangt ein einfaches, transparentes Mietrecht mit tauglichen Mietenbegrenzungen. Konkret: 

Forderung
  • Klare Regeln: Schaffung eines möglichst einheitlichen Mietrechts.

  • Mieten senken: Es braucht klare Regeln, um die Mieten zu begrenzen.

  • Befristungen streichen: Weg mit den befristeten Mietverhältnissen, außer bei Eigenbedarf der VermieterInnen.

  • Runter mit den Betriebskosten: Die Betriebskosten müssen durch Streichen von Grundsteuer und Versicherung aus dem Betriebskostenkatalog gesenkt werden.

  • Weg mit der Maklerprovision: Die Maklerprovision für MieterInnen muss wegfallen.

  • Klare Erhaltungsregeln: Die Erhaltungsregeln für VermieterInnen müssen für die gesamte Wohnausstattung gelten, nicht nur für die Heiztherme.

Kaske sieht neben der Regierung aber auch die Länder am Zug. In Wien braucht es aufgrund des rasanten Bevölkerungswachstums mindestens 9.000 geförderte Wohnungen mehr pro Jahr. Die Wohnbauinvestitionsbank ist seit letztem Herbst gegründet, und die letzten europarechtlichen Fragen bezüglich der Bundeshaftungen für die Wohnbauinvestitionsbank sollen in den nächsten Monaten endlich abgehandelt sein. „Die Länder sollen daher bereits jetzt neue Förderschienen konzipieren, die bei der Wohnbauinvestitionsbank andocken können. Sie müssen den Bau weiterer leistbarer Wohnungen – bald auch mit bundesbehafteten Mitteln aus der Wohnbauinvestitionsbank – angehen“, sagt Kaske. „Wir brauchen dringend mehr Wohnraum, der auch für nachkommende Generationen leistbar bleibt.“ 

Heiztherme kaputt? Vermieter muss reparieren

VermieterInnen müssen seit 2015 die mitvermietete Heiztherme auf eigene Kosten reparieren oder austauschen, wenn diese nicht mehr funktioniert.

Maklerprovision neu regeln!

Wer den Makler bestellt, soll ihn zahlen – und das ist in der Regel der Vermieter. Daher muss das Maklergesetz geändert werden, verlangt die AK.

Her mit der Mietrechtsreform!

Mit 3,8 Prozent liegt die Teuerung bei den Mieten weit über der Inflation mit 2,1 Prozent. Wohnen muss billiger werden, sagt AK Präsident Rudi Kaske.

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