Wohin mit 14?

Jedes Jahr bekommen 5.000 Mädchen und Burschen in Österreich nach der Pflichtschule keinen Platz für weitere Ausbildung in Lehre oder Schule – und noch einmal 10.000 Junge pro Jahrgang fliegen aus einer bereits begonnenen Ausbildung wieder raus, zeigen aktuelle Berechnungen der AK ExpertInnen.

„Dahinter steht, dass es zu wenig passende Ausbildungsplätze für alle Jugendlichen gibt“, sagen die AK Experten, „und dahinter steht auch, dass viele Jugendliche und ihre Eltern nach wie vor von der Schule bei der Wahl ihres weiteren Bildungswegs allein gelassen werden.“

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Junge werden bei der Berufswahl allein gelassen

Obwohl Berufsorientierung seit zehn Jahren in den Hauptschulen und den AHS-Unterstufen Pflicht ist, zeigen Studien grobe Mängel.

  • Weniger als die Hälfte der Hauptschulen und genau nur sechs von allen 267 AHS-Unterstufen in Österreich unterrichten Berufsorientierung als eigenes Fach. Im Rest der Schulen gibt es Berufsorientierung nur „integrativ“ als Bestandteil aller Unterrichtsfächer. Ergebnis: Nur die Hälfte der 15-, 16-Jährigen kann sich später erinnern, Berufsorientierung gehabt zu haben.
  • Mangels Berufsorientierung interessieren sich die Jugendlichen hauptsächlich für Lehrberufe, in denen es traditionell Ausbildungsplätze gibt – die Burschen für Kfz-Techniker, Installateur, Tischler; die Mädchen für Friseurin, Bürokauffrau, Bankkauffrau, pharmazeutische Verkaufsassistentin.
  • Bei der Suche nach Praktikumsplätzen stehen die Jugendlichen allein da: In der Hauptschule in Wien bekommen nur 7 Prozent von der Schule einen Praktikum vermittelt, um Berufe kennen zu lernen – die anderen müssen sich selbst helfen oder bekommen Hilfe von Verwandten und Bekannten. Die mangelhafte Berufs-orientierung verstärkt die Probleme bei der weiteren Ausbildung: Nur die Hälfte der Ausgelernten arbeitet drei Jahre nach Abschluss der Lehre noch in der Branche des Lehrbetriebs. Die AK will
  • jetzt rasch Initiativen für mehr und bessere Ausbildungsplätze
  • Berufsorientierung als eigenes Fach für 13-, 14-Jährige
  • Jobcoaching im Rahmen der Berufsorientierung an Schulen
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Gesucht: Ausbildung mit Zukunft

Für die Jungen und ihre Eltern ist es heutzutage schwer, nicht die erstbeste, sondern die beste Ausbildung zu finden. Nach der Pflichtschule sind sie mit einem Mangel an Lehrplätzen und Schulplätzen konfrontiert – und müssen nehmen, was sich, wenn überhaupt, gerade findet.

Für Lehrstellen Suchende gibt’s hauptsächlich traditionelle Angebote, zeigt eine Analyse der Erwerbskarrieren von Lehrlingen in Wien: Mehr als drei Viertel der Mädchen und mehr als die Hälfte der Burschen werden in jeweils nur zehn Lehrberufen ausgebildet. Die meisten Lehrstellen gibt’s für Burschen in Kfz-Technik, im Einzelhandel und in Elektro-installationstechnik, bei Mädchen sind die Spitzenreiter Bürokauffrau, eine Lehre im Einzelhandel und eine Lehre als Friseurin. Mit problematischen Folgen: Etwas mehr als die Hälfte der Jugendlichen, die im dritten Jahr nach der Lehre erwerbstätig sind, hat die Branche gewechselt.

Wer in weiterführenden Schulen einen Beruf lernen will, bekommt nicht immer den Wunschplatz: Besonders an EDV-Schulen und in Ausbildungen für Kranken- und Gesundheitspflege wurden zuletzt viele BewerberInnen abgewiesen – also orientieren sich die Jugendlichen weniger auf Schulausbildungen in Technik und Naturwissenschaft und im Gesundheitsbereich, sondern eher auf Ausbildung in Schulen für Tourismus, für wirtschaftliche Berufe und für Landwirtschaft. Stark gestiegen ist auch die Zahl der Abweisungen von Fachschulen und Handelsschulen.

In der Folge fliegen pro Jahrgang 15.000 Jugendliche aus dem Bildungssystem: Jedes Jahr bekommen 5.000 Mädchen und Burschen in Österreich nach der Pflichtschule von vornherein keinen Platz für weitere Ausbildung in Lehre oder Schule – und noch einmal 10.000 Junge fliegen pro Jahrgang aus einer bereits begonnenen Ausbildung wieder raus, zeigen aktuelle Berechnungen der AK ExpertInnen auf Grundlage einer Sonderauswertung des Mikrozensus der Statistik Austria. Am Ende haben 17,4 Prozent der jungen Menschen im Alter zwischen 20 und 24 Jahren nach der Pflichtschule keine weitere Ausbildung abgeschlossen.

„Wenn es zu wenig Ausbildungsplätze mit Zukunft gibt, ist es erst recht wichtig, die eigenen Fähigkeiten und Neigungen zu kennen und Durchhaltevermögen bei der Suche nach der richtigen Ausbildung zu entwickeln“, sagen die AK Experten, „aber genau hier lassen viele Schulen die Jugendlichen und ihre Eltern im Stich.“

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Berufsorientierung: Viele Schulen tun zu wenig

Seit zehn Jahren sind die Hauptschulen und die AHS-Unterstufen in Österreich verpflichtet, Berufsorientierung zu bieten, aber oft kommt dabei für die Jugendlichen und ihre Eltern nicht mehr heraus als gar nicht so heiteres Beruferaten. Nach Auffassung der Arbeiterkammer liegt der Fehler im System der Berufsorientierung, wie es vor zehn Jahren vorgeschrieben wurde: Die Schulen können selbst entscheiden, ob sie Berufsorientierung als eigenes Fach anbieten oder nur „integrativ“, als Prinzip in allen Fächern. Die Folgen laut einer Erhebung der Schulpsychologie:

Berufsorientierung ist selten ein eigenes Fach: Weniger als die Hälfte der Hauptschulen und genau nur sechs von allen 267 AHS-Unterstufen in Österreich bieten den 13-, 14-Jährigen eine verbindliche Übung zur Berufswahl.

Zu wenig LehrerInnen mit Ausbildung für Berufsorientierung: Nur 38 Prozent der Schulen haben pro Klasse mindestens eine Lehrkraft, die für Berufsorientierung ausgebildet ist. 20 Prozent haben nicht einmal eine in Berufsorientierung ausgebildete Lehrkraft für die ganze Schule.

Mangelhafte Vorbereitung auf die Berufswahl

Weil Berufsorientierung selten ein eigenes Fach ist, kann sich nur die Hälfte der 15-, 16-Jährigen später erinnern, Berufsorientierung gehabt zu haben, zeigt eine Studie für die AK. Welche Folgen das für die Jugendlichen und ihre Eltern hat, zeigt wiederum die Auswertung von Trainings zur Berufsorientierung, die im Rahmen des AK Projekts „Arbeitswelt und Schule“ in Wien durchgeführt wurden.

Die Jugendlichen kennen selten Lehrberufe mit Zukunft: Die häufigsten Wunschberufe von Burschen sind Kfz-Techniker, Installateur und Tischler. Mädchen wollen hauptsächlich Friseurin, Bürokauffrau, Bankkauffrau oder pharmazeutische Verkauf-sassistentin werden. Dabei strecken sich die Jungen nach der Decke des knappen Lehrstellenangebots: Noch 2004 war der Zukunftsberuf EDV-Techniker bei den Trainings unter den häufigsten fünf Wunschberufen, 2006 kam dieser Beruf nicht mehr in die Wertung. Besorgnis erregend ist auch: Nach wie vor interessieren sich nur wenige Mädchen für Ausbildung in Technikberufen.

Bei der Suche nach Praktikumsplätzen stehen die Jugendlichen allein da: In der Hauptschule bekommen nur 7 Prozent von der Schule ein Praktikum vermittelt, um Berufe kennen zu lernen – die anderen müssen sich selbst helfen oder bekommen Hilfe von Verwandten und Bekannten. Überdies passt das Praktikum nur selten zum Wunschberuf – ein Zeichen dafür, dass es vorher zu wenig Berufsorientierung gab.

Trend zur weiterführenden Schule: Vor dem Hintergrund des Lehrstellenmangels interessieren sich mehr SchülerInnen für weiterführende Schulen. In der Hauptschule wollen zwei Drittel der Burschen nach der Mittelstufe weiter in die Schule gehen – 2004 wollte das erst die Hälfte. Von den Mädchen interessieren sich 80 Prozent für eine weiterführende Schule – nach 70 Prozent im Jahr 2004.

Für die Jungen ist es ein Nachteil, dass sie mangels guter Berufsorientierung zu wenig über Ausbildungen mit Zukunft Bescheid wissen: Trotz Lehrstellenmangel konnten im Wiener Lehrlings-Auffangnetz heuer sogar 160 Ausbildungsplätze in zukunftsträchtigen Metallberufen wie MaschinenbautechnikerIn oder WerkzeugbautechnikerIn nicht besetzt werden. Die Jugendlichen haben sich nicht dafür entschieden, weil sie viele Berufe mit Zukunft gar nicht kennen.

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Ausbildung für Junge: Zeit, dass etwas geschieht

Die Arbeiterkammer will Verbesserungen, damit alle Jugendlichen für sich die richtige Ausbildung mit Zukunft finden können. Gerade jetzt, wo die Wirtschaft Fachkräfte sucht, müssen als erste die Jungen die Chance auf gute Ausbildungen bekommen. Die Vorschläge der AK:

Mehr und bessere Ausbildungsplätze schaffen: Die Sozialpartner schlagen eine neue Zukunftsförderung für Lehrbetriebe vor, sie soll rasch umgesetzt werden: Alle Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sollen eine Basisförderung bekommen, die von der Höhe der jeweiligen Lehrlingsentschädigung abhängt und damit Zukunftsberufe und Berufe mit höherem Aufwand für die Ausbildungsbetriebe stärker fördert. Wer besonders qualitätsvolle Lehrausbildung anbietet, soll zusätzlich gefördert werden. Ergänzend soll Jugendlichen, die trotzdem keine Lehrstelle im Betrieb bekommen, etwa in Lehrwerkstätten Ausbildung mit Abschluss garantiert werden.

In den Schulen setzt sich die AK für bis zu 3.000 zusätzliche Plätze für Bildung in Zukunftsberufen ein. Auch in den berufsbildenen Schulen soll die Klassenschülerzahl gesenkt werden. Die Ausbildungskapazitäten müssen auch in den höheren Klassen erweitert werden. Auf weitere Bereiche ausgeweitet werden sollen auch die stark praxisorientierten Fachschulen mit Techniker-praktikum, etwa auf Bereiche wie Wirtschaft, Soziales, Tourismus.

Berufsorientierung für 13-, 14-Jährige ausschließlich als eigenes Fach: Die AK setzt sich für eine verbindliche Übung (für alle SchülerInnen verpflichtend, aber ohne Benotung!) von je einer Wochenstunde in der 7. und 8. Schulstufe ein. Nötig ist Berufs- und Studienwahlorientierung auch an den Oberstufenschulen, um den SchülerInnen einen Überblick über Berufs- und weitere Ausbildungs-möglichkeiten zu geben und sie auf die Arbeitswelt oder das Studium vorzubereiten.

Verbesserung und Intensivierung der Aus- und Weiter-bildung der LehrerInnen für Berufsorientierung; eine verpflichtende Grundausbildung in Berufsorientierung und Bildungsberatung im Rahmen aller Lehramtsstudien.

Ausweitung des schulischen Angebots in Berufs-orientierung Richtung Jobcoaching und Zusammenarbeit mit außerschulischen Einrichtungen.

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