Wohnen muss leistbar sein!

Jüngere Arbeitnehmer-Haushalte sind durch die hohen Mieten in privaten Altbauwohnungen extrem belastet. Junge Familien müssen durchschnittlich 43 Prozent des monatlichen Haushalts-Nettoeinkommens für die Miete zahlen, wenn sie in den letzten fünf Jahren eine Altbauwohnung (Richtwertmiete) in Wien gemietet haben. Sie sind mehr als doppelt so stark belastet wie der MieterInnen-Durchschnitt (20 Prozent). Das zeigt eine Befragung von rund 200 MieterInnen, die das Institut für empirische Soziaforschung (IFES) für die AK durchgeführt hat.

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„Die Kosten für private Mietwohnungen drücken immer stärker auf die Geldbörse der Mieter“, sagt Franz Köppl, AK Wohnpolitik-Experte. Hinzu kommen beim Einziehen in die Wohnung oft noch eine hohe Maklerprovision und eine Kaution. Schuld an den überteuerten Mieten ist das unwirksame Richtwertmietensystem. Wegen der undefinierten Zuschläge, die nicht einmal im Mietvertrag angegeben werden müssen, gibt es keine wirksame Mietenbegrenzung. Auf Grund der hohen Nachfrage nach Mietwohnungen können die Vermieter auch die hohen Mieten durchsetzen und die Mieten werden immer teurer.

Die AK Studie ergab auch, dass befristete Mieten genauso teuer sind wie unbefristete. Das zeigt deutlich, dass das Richtwertsystem nicht funktioniert, denn eigentlich gibt es für befristete Mietverträge einen Abschlag von 25 Prozent, der aber offensichtlich von den Vermietern ignoriert wird. Die AK verlangt: MieterInnen müssen endlich entlastet werden durch eine umfassende Mietrechtsreform.

Gesucht – gefunden

Das Institut für empirische Sozialforschung (IFES) führte im Auftrag der AK Wien eine Befragung bei 192 MieterInnen durch. Interviewt wurden MieterInnen, die innerhalb der letzten fünf bis sechs Jahre in Wien in eine private Hauptmietwohnung in einem Altbau, die nach dem Richtwertsystem vermietet wird, eingezogen sind.

Es handelt sich dabei vor allem um Jüngere und MieterInnen mittleren Alters (18- bis 29-Jährige: 30 Prozent; 30- bis 49-Jährige: 54 Prozent; Ältere: 16 Prozent). Drei Viertel der Befragten haben die Matura. Das durchschnittliche Haushalts-Einkommen lag bei rund 2.000 Euro im Monat. Die meisten der Wohnungen befinden sich in Gürtelnähe oder außerhalb des Gürtels. Die durchschnittliche Wohnungsgröße beträgt 75 Quadratmeter.

43 Prozent des Einkommens für Wohnen

Für die Miete in einer privaten Altbaumietwohnung müssen jüngere Familien 43 Prozent ihres monatlichen Haushalts-Nettoeinkommens ausgeben, wenn sie in den letzten fünf Jahren eine Altbaumietwohnung in Wien mit Richtwertmiete gemietet haben. Bezogen auf das durchschnittliche Arbeitseinkommen einer Person, liegt die durchschnittliche Mieten-Belastung bei rund 50 Prozent. Die durchschnittliche Miete über alle in diesen fünf Jahren bezogenen Wohnungen betrug 682 Euro oder 9,20 Euro pro Quadratmeter.

Wer eine Wohnung über einen Makler bezog, hatte eine um etwa zehn Prozent höhere Miete, als wenn sie ohne Makler-Zwischenschaltung gemietet wurde. Bei den von Maklern vermittelten Wohnungen betrug die Miete 2008/2009 im Schnitt zehn Euro pro Quadratmeter.

2.020 Euro Kaution

85 Prozent der Befragten mussten bei Vertragsabschluss eine Kaution hinterlegen. Die durchschnittliche Kautionshöhe machte 2.020 Euro aus.

Wegen der hohen Mieten müssen viele bei sonstigen Ausgaben sparen. Denn: Ein Viertel der befragten MieterInnen sagte, dass sie sich wegen der hohen Mietkosten bei anderen ihnen wichtigen Dingen sehr oder ziemlich einschränken müssen. Das gilt vor allem für jüngere Haushalte (unter 30-Jährige) und Haushalte mit Kindern.

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Immer mehr befristete Wohnungen

Die AK Studie zeigt: Jeder dritte befragte Haushalt hat einen befristeten Mietvertrag. In den letzten Jahren ist der Anteil der befristeten Mietverhältnisse stark gestiegen – von 26 auf 37 Prozent.

Auffällig: Befristete Mietverhältnisse sind genauso teuer wie unbefristete – durchschnittlich 9,40 Euro pro Quadratmeter. Und das, obwohl es zwar theoretisch für befristete Mietverträge einen Abschlag von 25 Prozent geben soll. Der wird aber ganz offensichtlich von den Vermietern bei der Mietenkalkulation nicht berücksichtigt. Die Richtwerte sind keine klaren Obergrenzen, weil es eine undurchschaubare Vielfalt von Zuschlägen gibt.

„Der Vermieter kann verlangen, was der Markt hergibt. Eigentlich sollten befristete Wohnungen um ein Viertel billiger werden. Aber wovon wird der Abschlag abgezogen?“, fragt Köppl. „Denn ein Abschlag von irgendeinem Betrag ergibt dann auch irgendeinen Betrag.“

Endlich eingezogen – höhere Miete

Der Großteil (60 Prozent) der in den letzten fünf Jahren eingezogenen MieterInnen mussten Mieterhöhungen verkraften. 67 Prozent der MieterInnen, die 2004 bis 2005 den Mietvertrag unterschrieben hatten, hatten zumindest zweimal eine Mieterhöhung. Im Schnitt machte der monatliche Mietenanstieg 63 Euro aus. Für alle Befragten machte die monatliche Mietenerhöhung durchschnittlich 45 Euro aus.

Fast jeder zehnte befragte Mieter klagte, dass die aufwendigen Erhaltungsarbeiten in der Wohnung, etwa Therme, zu weiteren Kostenbelastungen führten.

Ja zu Mietenentlastung

Die befragten Haushalte sehen die wohnpolitischen Ziele der AK als sehr wichtig an. Einen fast einhelligen Konsens gibt es darüber, dass sich die AK für klare Mietenbegrenzungen einsetzt – das ist für 95 Prozent der Befragten wichtig.

So gut wie alle würden die Forderung der AK unterstützen, dass etwa für Heizthermenreparaturen und -instandhaltungen künftig nicht die Mieter, sondern die HauseigentümerInnen oder die VermieterInnen aufkommen sollten (wichtig: 90 Prozent). Sieben von zehn Befragten wünschen sich darüber hinaus, dass die AK auf eine Abschaffung der automatischen Index-Erhöhungen bei den Mieten drängt. Drei Viertel der MieterInnen unterstützen die Forderung der AK, dass die Kosten für die Hausverwaltung und die Grundsteuer in Hinkunft die VermieterInnen und nicht die MieterInnen zahlen sollten.

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