Trotz Börsekrise Rekordgagen für ATX-Manager
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Wie eine aktuelle Studie der Arbeiterkammer zeigt, erreicht die Schieflage in der Einkommensverteilung erneut einen Höhepunkt: ATX-Manager verdienen im vergangenen Jahr 1.300.426 Euro pro Kopf (+14 Prozent), während die Personalkosten im Durchschnitt auf 27.349 Euro brutto pro Beschäftigten gesenkt wurden.
ATX-Vorstand verdient das 48-fache eines Beschäftigten
Das zweite Halbjahr 2007 war von Turbulenzen im ATX geprägt, doch die schwache Börseperformance hat sich offensichtlich nicht auf die Gehälter der heimischen Managerelite ausgewirkt. Das Gegenteil ist der Fall: Trotz Finanzkrise verdient ein ATX-Vorstand bereits das 48-fache eines durchschnittlichen Beschäftigten. Die Arbeiterkammer kritisierte zu hohe Managergehälter mehrfach und hat bereits im Dezember 2007 einen ausführlichen Maßnahmen-katalog vorgelegt. Den aktuellen Zahlen zufolge ist jedoch kein Umdenken bei der überzogenen Vorstandsvergütung in Sicht.
Derzeit wird auch von Seiten der EU Druck auf unangemessene Managergehälter ausgeübt. Jetzt muss endlich gehandelt werden: Die Arbeiterkammer fordert die rasche Reform des Corporate Governance Kodex, die Verbindlichkeit der Einzelveröffentlichung und die Abschaffung der steuerlichen Förderung von Aktienoptionen.
Einkommensschere wird immer größer
Die Studie der betriebswirtschaftlichen Abteilung der AK Wien hat auf Basis der im Jahr 2008 veröffentlichten Geschäftsberichte die Vorstandsvergütung der ATX-Unternehmen ins Visier genommen. Das Ergebnis: Die Schere zwischen den überzogenen Gagen der Vorstände und ihrer Beschäftigten öffnet sich immer mehr. Trotz laufender Kritik der Arbeiterkammer, aber auch aus Gesellschaft und Politik, ist den aktuellsten Zahlen zufolge keine Trendwende in Sicht. Im Gegenteil: Die Einkommensspanne zwischen Vorstand und Beschäftigten hat sich erneut erhöht und liegt jetzt bereits beim 48-fachen.
Pro Kopf stiegen die Vorstandsgehälter der ATX-Unternehmen auf hohem Niveau erneut um 14 Prozent, der Bruttobezug für ein/e MitarbeiterIn verzeichnete einen Rückgang von 5 Prozent. Demnach verdiente 2007 ein Top-Manager in Österreich durchschnittlich 1.300.426 Euro und ein/e ArbeitnehmerIn 27.349 Euro brutto pro Kopf. Der Rückgang beim Personalaufwand um 5 Prozent ist in erster Linie auf den konzernweiten Beschäftigungszuwachs vor allem in Ländern, die unter dem heimischen Lohnniveau liegen, zurück-zuführen. Die analysierten ATX-Unternehmen beschäftigen konzernweit rund 323.000 ArbeitnehmerInnen.
Unternehmen, die im ATX notiert sind
Zum Zeitpunkt der Auswertung im Mai 2008 sind folgende Unternehmen im ATX notiert: Andritz, BWIN, Erste Bank, Flughafen Wien, Intercell, Mayr-Melnhof Karton, Österreichische Post, OMV, Palfinger, Raiffeisen International, RHI, Strabag SE, Telekom Austria, Verbund, Wr. Städtische und Wienerberger.
Bei Schoeller-Bleckmann Oilfield beziehen sich die Geschäfts-berichtsangaben auf die Vorstandsvergütung aller Konzern-gesellschaften, daher ist dieses Unternehmen nicht in die Untersuchung inkludiert. Die Jahresabschlüsse von Voestalpine, Böhler-Uddeholm sowie Zumtobel liegen wegen des abweichenden Wirtschaftsjahres für 2007 noch nicht vor und sind deshalb nicht in der Studie enthalten.
Die Top-3 Verdiener: OMV, Andritz und Erste Bank
Das Management von OMV, Andritz und der Erste Bank weist die höchsten Pro Kopf Vergütungen auf. Der Erdöl- und Erdgaskonzern OMV bezahlte den Vorständen jeweils über 3,1 Mio. Euro. Knapp die Hälfte, nämlich 1,5 Mio. Euro (+176 Prozent) wurde aus Gewinnen mit Aktienoptionen lukriert. Das Management des Technologie-konzerns Andritz und der Erste Bank erhielt 2,4 Mio. Euro (+6 Prozent) bzw. über 2 Mio. Euro (+8 Prozent).
Die Steigerungsraten zeigen folgendes Bild: Mit einem Plus von 48% liegt die Pro-Kopf-Vergütung des Palfinger-Management an erster Stelle, eine Vorstandsgage liegt jetzt bei 524 Tsd. Euro. Die Vorstände von Strabag SE wiederum freuen sich jeweils über 1,2 Mio. Euro, das entspricht einem Anstieg von 42 Prozent. Auch bei den Steigerungsraten ist die OMV unter den Top-3 zu finden und zwar mit einem Plus von 30 Prozent und einer Pro-Kopf Gage von 3,1 Mio. Euro.
Mehr Transparenz!
Die AK fordert:
1. Gesetzliche Verpflichtung zur Einzelveröffentlichung von Vorstandsbezügen
2. Stärkere Einbeziehung der Hauptversammlung
3. Abschaffung der steuerlichen Begünstigung von Stock Options
4. Mehr Transparenz der tatsächlichen Kosten von Stock Option Plänen
5. Erarbeitung von Kriterien der Angemessenheit von Managergehältern
6. Unangemessene Managergehälter sollen nicht als Betriebsausgabe geltend gemacht werden können
7. Nachhaltige Kriterien statt Orientierung an Stock Options
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