Ausschüttungspolitik der ATX Unternehmen spottet der Krise

Weniger Jobs, hohe Dividende

Eine aktuelle Analyse der Ausschüttungspolitik der ATX Unternehmen der Arbeiterkammer Wien zeigt: Die heimischen Paradeunternehmen werden ihren Aktionären im laufenden Jahr mindestens 1,8 Mrd. Euro ausschütten, obwohl die Gewinne im Krisenjahr 2009 um rund ein Drittel zurückgegangen sind und massiv Arbeitsplätze abgebaut wurden.

„Es kann nicht sein, dass die Wirtschaftskrise allein in den ATX Konzernen rund 21.000 Jobs im In- und Ausland gekostet hat, aber Ausschüttungen in Milliardenhöhe beschlossen werden. Diese Ausschüttungspolitik ist unverantwortlich. Jetzt müssen die Börsenschwergewichte ihrerseits gesamtwirtschaftliche Verantwortung übernehmen, die Gewinne im Unternehmen belassen und kräftig investieren. Nur so kann für die Sicherung und den Erhalt von Arbeitsplätzen gesorgt werden“, fordert AK-Präsident Herbert Tumpel.

Diese ATX Unternehmen wurden berücksichtigt

In der Analyse wurden jene ATX Unternehmen berücksichtigt, die bis zum 30. April 2010 den Konzernjahresabschluss 2009 veröffentlicht haben: Dazu zählen Andritz AG, bwin Interactive Entertainment AG, Erste Group Bank AG, EVN AG, Flughafen Wien AG, Intercell AG, Mayr-Melnhof Karton AG, Österreichische Post AG, OMV AG, Raiffeisen International Bank Holding AG, RHI AG, Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG, Semperit AG Holding, Strabag SE, Telekom Austria AG, Verbund AG, Vienna Insurance Group Wiener Städtische AG und Wienerberger AG.

Die Unternehmen voestalpine AG und Zumtobel AG weisen einen abweichenden Bilanzstichtag im ersten Halbjahr auf und konnten deshalb nicht berücksichtigt werden. Verlustunternehmen, die mangels entsprechendem Bilanzgewinn keine Ausschüttungen vornehmen können, wurden nicht in die Berechnungen der Ausschüttungsquote einbezogen (Intercell AG, Wienerberger AG).

Mindestens 1,8 Mrd. Euro für Aktionäre

Die untersuchten Unternehmen beschäftigten Ende 2009 rund 350.000 MitarbeiterInnen, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um 5 Prozent bzw. ein Verlust von über 18.400 Arbeitsplätzen im In- und Ausland. Neben Stellenabbau mussten die untersuchten ATX Konzerne auch einen Gewinnrückgang um fast ein Drittel (rund 31 Prozent) von rund 6 Mrd. auf knapp mehr als 4 Mrd. Euro hinnehmen: Nichts desto trotz sind Ausschüttungen in der Höhe von mindestens 1,8 Mrd. Euro bereits beschlossen bzw geplant. Damit liegt das Ausschüttungsvolumen schon jetzt deutlich über dem Niveau des Jahres 2007 (1,6 Mrd. Euro).

Ausschüttungsquoten steigen kräftig

Die Ausschüttungsquote steigt markant von rund 27 Prozent im Jahr 2007 auf knapp 45 Prozent für das Jahr 2010: Der erwirtschaftete Gewinn fließt damit fast zur Hälfte direkt an die Aktionäre weiter. Die Hälfte der untersuchten Unternehmen weist sogar steigende Ausschüttungsquoten auf. Angeführt wird die Dividendenhitparade von der Telekom (rund 350 Prozent), gefolgt von Post (über 127 Prozent), auf Platz drei rangiert der Flughafen Wien (über 60 Prozent). Bis auf zwei Verlustunternehmen (Intercell, Wienerberger) und den Feuerfestkonzern RHI haben alle ATX Unternehmen Ausschüttungen geplant, es ist damit zu rechnen, dass die gesamte Ausschüttungssumme aller ATX Konzerne im Lauf des Jahres wohl auf insgesamt 2 Mrd. Euro anwachsen wird.

Die AK fordert, dass die erwirtschafteten Gewinne für den Fortbestand des Unternehmens bzw. Investitionen eingesetzt werden. Es ist unverantwortlich, dass viele ArbeitnehmerInnen um die Sicherung und den Erhalt ihrer Arbeitsplätze bangen und Investitionen zurückgestellt werden, während Aktionäre mit satten Dividenden belohnt werden.

  • Drucken Weiterleiten | Mehr

Anfrage zum Artikel

*
*
*
*
*
*
*
*
*

Anfrage zum Artikel



Danke - Ihre Anfrage wurde weitergeleitet.