Arbeits- und Bildungschancen von Minderheiten verbessern
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Wirtschaft verzichtet oft auf Fertigkeiten
„Beschäftigte mit Migrationshintergrund bringen viele Kenntnisse und Fertigkeiten mit. Aber nur ein Teil dieser Kompetenzen wird wirklich genutzt“, kritisierte Josef Wallner, Leiter der AK Wien Abteilung Arbeitsmarkt und Integration, am Freitag auf einer AK Veranstaltung. Besonders gelte das für jene MigrantInnen, die einer ethnischen Minderheit angehören.
Das zeigt eine Teilauswertung der AK-Studie „Beschäftigungs-Situation von Personen mit Migrantionshintergrund in Wien“, die auf der Veranstaltung präsentiert wurde. „Wir müssen die Chancen der Zuwanderung sehen und den sozialen Zusammenhalt fördern“, sagte Wallner. Die Arbeiterkammer fordert ein Paket für faire Chancen – von der schnelleren Anerkennung von im Ausland erworbenen Kenntnissen bis hin zu mehr Chancen auf berufliche Bildung.
Kenntnisse, die Migranten mitbringen, besser nutzen
MigrantInnen in Wien werden von der Wirtschaft dreimal so oft unter ihrem Qualifikationsniveau eingesetzt wie Beschäftigte mit österreichischen Wurzeln. Das zeigt die AK-Studie „Beschäftigungssituation von Personen mit Migrationshintergrund in Wien“ bereits für die Gesamtgruppe der MigrantInnen. Stärker benachteiligt sind besonders jene MigrantInnen, die einer ethnischen Minderheit angehören, zeigt die Teilauswertung. Als Beispielgruppen wurden KurdInnen und Roma/Romnia befragt.
- 61 Prozent der KurdInnen und 48 Prozent der Roma/Romnia haben einen Lehrabschluss, Matura oder einen akademischen Abschluss. Aber 63 Prozent der KurdInnen und 77 Prozent der Roma/Romnia werden beruflich für Hilfs- oder für angelernte Tätigkeiten eingesetzt.
- Die Beschäftigung unter dem Ausbildungsniveau wirkt sich auf das Einkommen aus: 60 Prozent der KurdInnen und 75 Prozent der Roma/Romnia verdienen bei Vollzeitarbeit höchstens 1.400 Euro netto im Monat.
- Die Chance auf berufliche Weiterbildung ist gering: Nur 19 Prozent der KurdInnen und 22 Prozent der Roma/Romnia konnten in den letzten fünf Jahren für den Beruf weiterlernen. Die Vergleichzahlen für Nicht-MigrantInnen: 58 Prozent; und für die Gesamtgruppe der MigrantInnen: 29 Prozent.
Forderung
„Wir müssen die Chancen der Zuwanderung sehen und sozialen Zusammenhalt fördern“, sagt Wallner. Die Arbeiterkammer fordert:
1. schnellere, gezielte Anerkennung von im Ausland erworbenen Kenntnissen. Für informelle Qualifkikationen braucht es ein Zertifizierungssystem, das Kenntnisse und Fähigkeiten anerkennt und dazu ergänzende Wege zu den in Österreich anerkannten berufsqualifizierenden Abschlüssen aufzeigt. Das hilft MigrantInnen und NichtmigrantInnen.
2. ZuwanderInnen sollen auf ihre persönliche Situation maßgeschneiderte Beratung und eine Einschätzung ihrer Kompetenzen bekommen.
3. Berufliche Bildung und Weiterbildung müssen das ebenso ergänzen wie ein Schulsystem, das gleiche Chancen für alle Kinder bietet, und ein gezieltes Vorgehen gegen Lohn- und Sozialdumping.
4. Förderung der Minderheitensprachen in der schulischen Ausbildung zwecks Identitätsstärkung und Spracherwerb.
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