Dallinger-Symposium: AK für Beschleunigung der Schulreformen
-
|
Mehr
Durch eine rasche Bildungsreform innerhalb kürzester Zeit vom PISA-Nachzügler in die Spitzengruppe: Das hat Polen geschafft. „Das muss Vorbild auch für Österreich sein, in die bereits begonnen Reformschritte muss mehr Tempo hinein“, fordert AK Präsident Herbert Tumpel.
Beim Internationalen Dallinger Symposium in der AK Wien zum Thema „Wie Bildungsreformen in Europa gelingen“ berichtet die polnische Bildungs-Staatssekretärin Lilla Jaron darüber, wie es Polen geschafft hat, in der PISA-Studie innerhalb von wenigen Jahren in die Spitzengruppe aufzusteigen. In Polen hat es nur drei Jahre gedauert, bis die SchülerInnen wesentlich besser abgeschnitten haben.
Wie Polen zeigt, ist es durchaus möglich, gleichzeitig Struktur und Inhalte der Schule zu ändern. So sind auch auch Kinder, die ihre Schullaufbahn im alten System begonnen haben, in den Genuss der neuen Schule gekommen. Das Beispiel Polen zeigt: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg. Unterschiedliche Auffassungen rücken in den Hintergrund, wenn endlich die Einsicht gewinnt, dass das gemeinsame Ziel einer Schulreform das Wichtigste ist.
Es muss rasch gehandelt werden, damit es in der Bildung keine verlorene Generation gibt. Aus diesem Grund unterstützt die AK auch das Bildungsvolksbegehren: Es unternimmt den mutigen Versuch, alle gesellschaftlichen Gruppen an einen Tisch zu bringen, um über Bildung zu diskutieren und eine Bildungsreform auf die Wege zu bringen.
In Österreich wird seit 30 Jahren erprobt, wie eine neue Schule funktionieren könnte – aber aus den Schulversuchen ist noch immer kein umfassendes Schulkonzept entstanden. Anders in Polen: Beim internationalen Schulvergleich PISA lagen dort die Leistungen im Jahr 2000 noch im unteren Drittel, 2003 bereits im Mittelfeld, und jetzt ist Polen beim Lesen in der Spitzengruppe.
Österreich hingegen hat sich in diesem Ranking noch verschlechtert. Die Zahlen sind alarmierend: Laut PISA haben 15 Prozent der SchülerInnen nach neun Jahren Schule Probleme beim Lesen, in Mathematik und in den Naturwissenschaften. Rund 10 Prozent verlassen das Bildungssystem ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Hier darf nicht länger gewartet werden, immerhin geht es um die Chancen unserer Jugend.
Polen – Schulreform mit hohem Tempo
„Bei uns war entscheidend, dass wir die gemeinsame Ausbildung der Kinder verlängert und den Unterricht auf neue Beine gestellt haben.“ So beschreibt Lilla Jaron, Unterstaatsekretärin im polnischen Bildungsministerium, auf dem Dallinger-Symposium den Kern der Bildungsreform in ihrem Land: 1999 wurde die bisher achtjährige Grundschule für alle um zwei Jahre verkürzt – und die damals 12-Jährigen kamen sofort in eine neue, dreijährige Mittelstufe namens „Gimnazjum“.
Dadurch, so Jaron, konnte die Selektion beim Übergang in die nachfolgenden Bildungsgänge gemildert werden. Der Erfolg: Beim internationalen Schulvergleich PISA holte Polen rasch auf. Heute machen fast drei Viertel der polnischen SchülerInnen mit 18 Jahren die Matura.
In Polen hatte man sich bereits vor dem PISA-Test darauf verständigt, das Schulsystem rasch und grundlegend umzubauen, berichtet Jaron. Deshalb löste es keinen Schock mehr aus, dass die polnische Schule beim ersten internationalen Schulvergleich im Jahr 2000 nur im unteren Drittel lag.
Stattdessen wurde zügig am Umbau der Schule gearbeitet. Auf sechs Jahre gemeinsame Grundschule folgen jetzt drei Jahre Gimnazjum für alle 12- bis 15-Jährigen. Das Gimnazjum ist nicht selektiv, Schwächere sollen von den Stärkeren lernen. Erst danach entscheiden sich die SchülerInnen für das ebenfalls dreijährige Lyzeum, die Fachoberschule oder die Berufsschule. Die ersten zwei Bildungsgänge schließen mit der Matura ab. Wobei in Polen Schulpflicht bis 18 ist und die AbsolventInnen der Berufsschule die Matura jederzeit nachholen können.
Zusätzlich zur Struktur der Schule wurde auch die Art geändert, in der unterrichtet wird. Die Lehrprogramme wurden darauf ausgerichtet, dass den SchülerInnen Kompetenzen vermittelt werden sollen, nicht einfach Lehrstoff, der auswendig gelernt werden muss. Prüfungen wurden danach ausgerichtet, dass die SchülerInnen den durchgenommenen Lehrstoff selbstständig anwenden. Seit 2009 gibt es ein neues Basis-Lehrprogramm für die Allgemeinbildung in der Mittelstufe und den darauf folgenden Schulen. Dieser Kompetenzkatalog wurde dabei an die Anforderungen des EU-Qualifikationsrahmens angepasst.
Von Anfang an wurde den Schulen überdies weitgehende Autonomie bei der Gestaltung der Lehrprogramme gegeben. Jaron: „Wir schreiben keine Unterrichtsformen und Methoden vor. Die kompetenzorientierten Lehrprogramme und Prüfungsstandards fördern die neue Unterrichtsgestaltung, die auch in der Lehrerausbildung immer wichtiger wird.“ Gefördert werden insbesondere aktivierende Unterrichtsmethoden wie Gruppen- und Projektarbeit.
-
|
Mehr

