Berufliche Weiterbildung muss gerade jetzt allen ArbeitnehmerInnen offen stehen
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„Gerade in wirtschaftlich schweren Zeiten müssen wir die Tür zur beruflichen Weiterbildung weiter aufmachen“, sagt Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel. Denn von Weiterbildung profitieren alle: Die ArbeitnehmerInnen und die Unternehmen. So wird auch die Wirtschaft nachhaltig gestärkt.
- Mehr berufliche Weiterbildung
- Betriebliche Weiterbildung bringt höhere Löhne
- (Weiter) Bildung bringt mehr Arbeitsplatzsicherheit
- Kaum Chancen auf Weiterbildung im Betrieb
- Mehr Unterstützung für Nachholen von Abschlüssen
- Weiterbildung als Instrument gegen die Krise
- Das fordert die AK
Das bringt berufliche Weiterbildung
- Weiterbildung bringt höhere Löhne für die ArbeitnehmerInnen. Das zeigt eine neue Studie der Universität Linz im Auftrag der AK. Wenn ein Unternehmen die Ausgaben für die Weiter-bildung verdoppelt, bringt das den ArbeitnehmerInnen im Durchschnitt 300 bis 500 Euro brutto mehr Lohn im Jahr.
- Weiterbildung bringt mehr Arbeitsplatzsicherheit. Je höher das Bildungsniveau, desto geringer das Risiko arbeitslos zu werden.
- Auch die Unternehmen profitieren: Jeder Euro, der zusätzlich in Weiterbildung investiert wird, bringt 13 Euro für das Unternehmen.
- Aktuelle Initiativen weisen den richtigen Weg: Modelle wie Bildungskarenz und Kurzarbeit nutzen Qualifizierung als Maßnahme gegen die Krise.
Aber: Nicht jeder, der sich weiterbilden möchte, bekommt die Chance dazu. Vor allem in Klein- und Mittelbetrieben gibt es oft keine Möglichkeit zur betrieblichen Weiterbildung. Auch bei der staatlichen Unterstützung für das Nachholen von Bildungs-abschlüssen liegt Österreich weit hinter den europäischen Spitzenreitern.
Gerade jetzt müssen wir dafür sorgen, dass alle Beschäftigten, die sich weiterbilden möchten, auch die Chance dazu bekommen. Das ist Gebot der Stunde, um die Wirtschaft nachhaltig anzukurbeln.
Die AK fordert:- Ein 60 Millionen Euro Paket, um das kostenlose Nachholen von Bildungsabschlüssen für Erwachsene zu ermöglichen
- Verbesserungen bei der Bildungskarenz
- Ein Recht auf 35 Stunden Weiterbildung im Jahr für die ArbeitnehmerInnen
- Zeitlich begrenzte Förderung von betrieblicher Weiterbildung über zinsfreie Darlehen des Austria Wirtschaftsservice für Klein- und Mittelbetriebe
- Mehr Unterstützung bei der Errichtung von Qualifizierungs-verbünden für Klein- und Mittelbetriebe.
Betriebliche Weiterbildung bringt höhere Löhne
Die Universität Linz hat im Auftrag der Arbeiterkammer Wien untersucht, wie sich Weiterbildung auf das Lohnniveau der ArbeitnehmerInnen auswirkt. Dazu wurden erstmals die Ergebnisse der Arbeitskostenerhebung 2000 und 2004, der Verdienststrukturerhebungen 2002 und 2006 miteinander verknüpft
In Unternehmen, die jährlich rund 1.000 Euro pro ArbeitnehmerIn für betriebliche Weiterbildung investieren, werden im Durchschnitt rund fünf bis sieben Prozent höhere Bruttostundenlöhne gezahlt als in Unternehmen, die das nicht machen. Wenn ein Unter-nehmen also die Ausgaben für die Weiterbildung von durchschnittlich 212 Euro auf 424 Euro verdoppelt, bringt das den ArbeitnehmerInnen im Durchschnitt 300 bis 500 Euro brutto mehr Lohn im Jahr.
Das heißt: Jeder Euro, den ein Unternehmen zusätzlich in Weiterbildung investiert, bringt im Schnitt 2 Euro mehr Lohn für die ArbeitnehmerInnen.
zum Seitenanfang(Weiter) Bildung bringt mehr Arbeitsplatzsicherheit
Je höher das Bildungsniveau, desto geringer das Risiko arbeitslos zu werden. Das geht aus den aktuellen Arbeitsmarktdaten des AMS eindeutig hervor. Die Arbeitslosenquote 2008 lag im Schnitt bei 5,8 Prozent. Personen mit lediglich einem Pflichtschulabschluss hatten mit einer Arbeitslosenquote von 14 Prozent ein doppelt so hohes Risiko arbeitslos zu werden. Die Arbeitslosenquote bei Personen mit Lehrabschluss lag bei 5 Prozent, bei AHS-AbsolventInnen und BHS-AbsolventInnen bei rund 3 Prozent, bei BMS-AbsolventInnen bei 2,8 Prozent (AMS Jahresschnitt 2008).
Jeder Euro, der zusätzlich in Weiterbildung investiert wird, bringt 13 Euro für das Unternehmen.
Von der Weiterbildung profitieren vor allem die Unternehmen. Wenn Unternehmen in die Weiterbildung ihrer Beschäftigten investieren, bringt das eine relevante Produktivitätssteigerung für das Unternehmen. Das zeigt eine Studie der Universität Linz aus dem Jahr 2008, die im Auftrag der Arbeiterkammer erstmals untersucht hat, wie und für wen sich Weiterbildung rentiert. Die Studie zeigt: Jeder Euro, der zusätzlich in Weiterbildung investiert wird, bringt 13 Euro für das Unternehmen.
Unternehmen profitieren also noch deutlich stärker von Weiterbildungsinvestitionen als die Beschäftigten.
zum SeitenanfangKaum Chancen auf Weiterbildung im Betrieb
Allerdings: Nicht jeder, der sich weiterbilden möchte, bekommt auch die Chance dazu. Vor allem in Klein- und Mittelbetrieben bekommen ArbeitnehmerInnen oft keine Unterstützung. Von Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten bildet jedes fünfte seine Beschäftigten gar nicht weiter. Das zeigt die dritte Europäische Erhebung zur betrieblichen Weiterbildung (CVTS). Wird die Gesamtheit aller ArbeitnehmerInnen betrachtet, so hat nur knapp ein Drittel (30 Prozent) Gelegenheit sich über den Betrieb weiterzubilden (SORA 2008).
Zudem werden überwiegend die besser Qualifizierten weiter-gebildet. Als Grund für die mangelnden Weiterbildungsangebote gibt fast die Hälfte der Unternehmen (45 Prozent) zeitliche Belastung an. Auch die große Mehrheit (fast 75 Prozent) der Unternehmen, die weiterbilden, geben den Zeitfaktor als größtes Hindernis für mehr Weiterbildungsaktivität an (Europäische Erhebung über Erwachsenenbildung, 2007 - AES).
Gerade jetzt, in einer Situation mit geringer Auslastung, können Unternehmen diese Zeit produktiv nutzen um ihre Mitarbeiter weiterzubilden.
Bei der Teilnahme an Lebensbegleitendem Lernen ist Österreich in der EU nur im Mittelfeld. Der EU-Benchmark von 12,5 Prozent wird mit 12,8 Prozent nur knapp erreicht. Die Skandinavischen Länder liegen mit 30 Prozent Beteiligung weitaus besser: In Schweden liegt die Beteiligung bei 32 Prozent, in Dänemark bei 29,2 Prozent, in Großbritannien bei 26,6 Prozent, in Finnland bei 23,4 Prozent, in Norwegen bei 18 Prozent, in den Niederlanden bei 16,6 Prozent und in Slowenien bei 14,8 Prozent (EU Education Benchmarks for Europe, Juli 2009).
zum SeitenanfangMehr Unterstützung für Nachholen von Abschlüssen
Nicht nur bei der betrieblichen Weiterbildung hat Österreich Aufholbedarf. In Österreich stagniert die Weiterbildung für Erwachsene seit Jahren. Das Fördervolumen von derzeit rund 300 Millionen Euro ist vergleichweise niedrig angesetzt. So wendet Schweden bei vergleichbarer EinwohnerInnenzahl rund zwei Milliarden Euro auf.
Auch bei der staatlichen Unterstützung für das Nachholen von Bildungsabschlüssen hinkt Österreich hinterher. In Dänemark und Schweden gibt es für das Nachholen keine Gebühren (bis 60 bzw 55 Jahre) und zusätzlich sogar ein Stipendium. Auch in Norwegen und Portugal ist das Nachholen von Bildungsabschlüssen für Erwachsene gebührenfrei möglich.
In Österreich dagegen müssen die ArbeitnehmerInnen oft tief in die Tasche greifen, um einen Abschluss nachzuholen. So kosten die Gebühren für die Vorbereitung auf einen Lehrabschluss im Schnitt etwa 1.000 Euro. Gerade gering Qualifizierte verdienen oft zu wenig um sich das zu leisten. „Hier beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt AK Präsident Tumpel: „Ein formaler Abschluss wie etwa der Hauptschulabschluss ist Basis für jede Weiterqualifizie-rung. Und außerdem bilden Betriebe vor allem jene weiter, die ohnehin schon eine höhere Bildung haben“.
Mehr Infos über Aus-, Weiterbildungsmöglichkeiten nötig
Laut aktuellem Adult Education Survey von Eurostat gaben im Jahr 2007 mehr als die Hälfte (51,4 Prozent) der Österreicher-Innen an, dass sie keinen Zugang zu Information über Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten haben. Von jenen, die sich weiterbilden, wurde gerade mal ein Viertel (24,4 Prozent) von ihren Unternehmen auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht.
zum SeitenanfangWeiterbildung als Instrument gegen die Krise einsetzen
Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sind Investitionen in Weiterbildung wichtig. Ein Schritt in die richtige Richtung ist die Kombination von Kurzarbeit und Weiterbildung. Diese Kombination (Qualifizierungshilfe) ist seit März 2009 möglich, wenn es darüber eine Vereinbarung zwischen der jeweiligen Branchengewerkschaft und der entsprechenden Fachgruppe in der Wirtschaftskammer gibt.
In einem nächsten Schritt müssen auch alle anderen ArbeitnehmerInnen die Möglichkeit bekommen, sich weiterzubilden. Die AK schlägt dazu Verbesserungen bei der bestehenden Bildungskarenz vor. Es muss eine bessere Absicherung gegen Kündigung geben. Zugang zu Bildungskarenz sollen alle ArbeitnehmerInnen haben, die die Anwartschaft auf Arbeitslosengeld erfüllen.
Positiv sind auch Initiativen in den Bundesländern für eine „Bildungskarenz plus“. Dabei werden im Rahmen der Beschäftigungs- und Konjunkturpakete Weiterbildungskosten übernommen, wenn in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Unternehmen in die Qualifizierung von karenzierten Beschäftigten investieren. (zB Wien-Waff und Land Oberösterreich übernehmen 50 Prozent bis zu 3.000 Euro, in NÖ werden 50 Prozent bis zu 2.640 Euro übernommen) Das Dienstverhältnis bleibt dabei aufrecht. So können Arbeitsplätze geschützt und Fachkräfte gut ausgebildet werden.
Die AK tut was: mit dem AK-Bildungsgutschein
Um die ArbeitnehmerInnen konkret dabei zu unterstützen, wenn sie sich weiterbilden möchten, gibt es seit 2002 bundesweit den AK Bildungsgutschein. Allein in Wien gibt es beispielweise für rund 2.000 Weiterbildungskurse einen 100-Euro-Bildungsgutschein für AK-Mitglieder. Das Angebot reicht dabei von EDV, Sprachen bis zu Kommunikationskursen. Fast 70.000 AK-Wien Mitglieder haben bisher davon Gebrauch gemacht.
zum SeitenanfangDie AK fordert:
- Ein 60 Millionen Euro Paket für das kostenlose Nachholen von Bildungsabschlüssen für Erwachsene. Der Bund muss mehr Geld in den Zweiten Bildungsweg investieren. Das Nachholen von schulischen Abschlüssen muss auch für Erwachsene in Zukunft kostenlos möglich sein. Die AK fordert ein 60 Millionen Euro Paket bis 2011 für das Nachholen von Hauptschul- und Lehrabschlüssen und für die Vorbereitung auf die Berufsreife-prüfung. Hier müssen Bund und Länder gemeinsam für die Finanzierung aufkommen.
- Verbesserungen bei der Bildungskarenz: Es muss eine bessere Absicherung gegen Kündigungen geben. Der Zugang zur bestehenden Bildungskarenz muss verbessert werden: Alle Arbeitnehmerinnen, die die Anwartschaft auf Arbeitslosen-geld erfüllen, sollen ein Recht auf Bildungskarenz haben.
- Ein Recht auf mindestens 35 Stunden Weiterbildung im Jahr für die ArbeitnehmerInnen. Das ist auch eine Empfehlung der Europäischen Union. („Einen europäischen Raum des LLL schaffen“, 2001)
- Zeitlich begrenzte Förderung von betrieblicher Weiterbildung für Unternehmen über zinsfreie Darlehen des Austria Wirtschaftsservice. Unternehmen, die in der Krise ArbeitnehmerInnen weiterbilden wollen, sollen Zugang zu Finanzierungsmitteln für Weiterbildung bekommen. Für diesen Zweck soll Austria Wirtschaftsservice, Österreichs Förderbank für die unternehmensbezogene Wirtschaftsförderung zusätzliche Mittel für betriebliche Weiterbildung bei Klein- und Mittelbetrieben rasch und unbürokratisch zur Verfügung stellen.
- Verstärkte Unterstützung von Klein- und Mittelbetrieben durch Qualifizierungsberatung und Qualifizierungsverbünde. Damit auch die Beschäftigten von Klein- und Mittelbetrieben mehr Möglichkeit haben, an Weiterbildung teilzunehmen, fordert die AK den Ausbau von Qualifizierungsverbünden zur Unter-stützung von Unternehmen. Dabei schließen sich mindestens drei Betriebe mit dem Ziel zusammen, Qualifizierungsmaß-nahmen gemeinsam zu planen und durchzuführen. Länder und AMS sollen hier gemeinsam aktiv werden, auch wenn es darum geht, den Nutzen von Weiterbildung für Arbeitnehmer-Innen und Unternehmen offen zu legen. Dabei sollen weiterhin ältere ArbeitnehmerInnen und geringqualifizierte ArbeitnehmerInnen im Vordergrund stehen.
Gerade jetzt müssen wir dafür sorgen, dass alle Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen, die sich weiterbilden möchten, auch die Chance dazu bekommen. Das bringt mehr Arbeitsplatzsicherheit und höhere Löhne für die Beschäftigten. Und auch die Unternehmen profitieren und können ihre Produktivität steigern.
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- Kursübersicht Frühling 2010
- Checkliste Weiterbildung
- Die Berufsreifeprüfung
- Bildungsangebote für Berufstätige
