Krankmacher in der Arbeit und was sie kosten
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Arbeitsbelastungen fügen den österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gesundheitliche Schäden und damit oft großes menschliches Leid zu und kosten außerdem enorm viel Geld.
Kosten von 2,8 Milliarden Euro im Jahr
Alleine sechs zentrale körperliche Belastungsfaktoren – also ohne Berücksichtigung anderer körperlicher Belastungen und psychischer Krankmacher wie Stress – verursachen 2,8 Milliarden Euro jährlich an gesamtwirtschaftlichen Kosten der aus diesen Belastungen resultierenden Krankenstände. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Auftrag der Arbeiterkammer Wien vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) durchgeführt wurde.
Durch die spezielle Methodik der Studie wurde es erstmals für Österreich möglich, jene Anteile am Krankenstandsgeschehen zu identifizieren, die mit bestimmten Arbeitsbedingungen im Zusammenhang stehen. Dadurch wird es möglich anzugeben, welche Kosten eingespart oder zumindest vermindert werden könnten, wenn man durch oft relativ einfache Maßnahmen gesundheitsschädigende Arbeitsbelastungen gemindert oder ganz vermieden hätte.
Mehr Investitionen in den Arbeitnehmerschutz
Die Schlussfolgerung aus der Studie: Mehr Aufmerksamkeit auf und Investitionen in den Arbeitnehmerschutz könnten nicht nur menschliches Leid, sondern auch sehr viel Geld sparen. Oft sind es relativ einfache Maßnahmen des ArbeitnehmerInnenschutzes, die die Erkrankungsgefahr deutlich verringern könnten, würden sie konsequent gesetzt.
Für AK Präsident Herbert Tumpel ist klar: „Gesundbleiben bei der Arbeit ist ein Recht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und gehört daher geschützt. Maßnahmen zur Prävention sind oft einfach und kosten nicht die Welt. Und jede Investition in den ArbeitnehmerInnenschutz rechnet sich vielfach: für die ArbeitnehmerInnen, die Unternehmen, die Allgemeinheit. Und jede Investition ist eine Maßnahme zur Ankurbelung der Wirtschaft.“ Tumpel fordert ua von der Politik Rahmenbedingungen, die sicher stellen, dass der ArbeitnehmerInnenschutz in den Betrieben noch mehr als bisher flächendeckend und systematisch umgesetzt wird.
Die Gesamtkosten von 2,8 Milliarden Euro gliedern sich
in rund
- 570 Millionen an Entgeltfortzahlung und Krankengeld,
- 930 Millionen an entfallener Wertschöpfung und
- 1,3 Milliarden an Krankenbehandlungskosten.
Die wichtigsten körperlichen Krankmacher
Im „Fehlzeitenreport 2008“ berechnete das Wifo für alle Krankenstände 12,7 Milliarden Euro an jährlich anfallenden Kosten (direkte und indirekte betriebswirtschaftliche Kosten und Gesundheitsausgaben). Mit der jetzt veröffentlichten Wifo-Studie konnte nachgewiesen werden, dass alleine sechs körperliche Arbeitsbelastungen rund 23 Prozent aller Krankenstandskosten ausmachen. Krankmachende psychische Arbeitsbelastungen wie Stress und Arbeiten unter Zeitdruck und weitere körperliche Arbeitsbelastungen sind hier noch gar nicht eingerechnet.
Fast ein Viertel aller Krankenstände ist also auf die eingangs erwähnten sechs körperlich wirksamen Arbeitsbelastungen zurückzuführen. Die wichtigsten körperlichen Krankmacher sind (mit dem Prozentanteil, an dem sie jeweils an der Gesamtmenge der Krankenstände in Österreich beteiligt sind):
- schwere körperliche Arbeit (19,3 Prozent),
- die Einwirkung von Vibrationen (16,1 Prozent),
- die Arbeit mit gefährlichen Stoffen (15,3 Prozent),
- die Gefahr von Arbeitsunfällen (13,1 Prozent),
- erzwungene Körperhaltungen bei der Arbeit (6,4 Prozent) und
- die Belastung, die das Tragen von Schutzausrüstungen (2,8 Prozent) darstellt.
Arbeitsbelastungen treten häufig kombiniert auf
In der Realität treten Arbeitsbelastungen häufig kombiniert auf. Forstarbeiter sind bspw. durch die Arbeit mit Kettensägen Vibrationen ausgesetzt, leisten schwere körperliche Arbeit, müssen Schutzausrüstungen tragen und laufen in erhöhtem Ausmaß Gefahr, einen Unfall durch herabstürzende Äste oder umstürzende Bäume zu erleiden.
Auf Grund der Häufigkeit von Mehrfachbelastungen liegt die Summe der für die einzelnen Belastungen aufgelisteten Prozentsätze weit über den oben genannten 23 Prozent der Krankenstände, die den sechs physischen Faktoren insgesamt zugeschrieben werden. Dazu zwei Zahlen: In rund 20 Prozent der Krankenstände liegen mindestens zwei der sechs Faktoren vor, in über 14 Prozent sogar mindestens vier.
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