Jedes 10. Schulkind ist am Nachmittag allein
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Umstellung auf ein Ganztagsschulsystem ist überfällig
Für jedes zehnte Schulkind gar keine Nachmittagsbetreuung – und nur für drei von zehn ein Platz in Schule oder Hort: Eine AK Studie zeigt erstmals, wie groß die Betreuungslücke für 6 bis 14-jährige Kinder von Vollzeit-Berufstätigen in Österreich ist.
Der Großteil der Schulkinder wird am Nachmittag privat betreut, hauptsächlich von den Großeltern. Negativ wirkt sich der Mangel an Betreuungsangeboten in Schule oder Hort auf die Lernchancen der Kinder aus. Die private Betreuung hat nur für die Hälfte der betroffenen Kinder positive Auswirkungen auf die schulische Entwicklung, sagen die Eltern. Etwas besser ist es im Hort und in Schulen, die nach klassischem Vormittagsunterricht Nachmittagsbetreuung bieten.
Testsieger Ganztagsschule
Testsieger ist die echte Ganztagsschule, wo Lernen, Üben und Freizeit über den ganzen Tag verteilt werden: Ihr geben acht von zehn Eltern positive Noten. Die AK tritt für die Umstellung auf ein Ganztagsschulsystem ein. „Alle Kinder müssen bestmöglich gefördert werden. Kein Kind soll auf der Strecke bleiben, weil es keine Betreuung gibt oder nur in mangelhafter Qualität“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel.
In Österreich lebt nur ein Drittel der Kinder zwischen sechs und 14 Jahren in Familien, wo sowohl der Vater als auch die Mutter in Vollzeit arbeiten. Das zeigt bereits, wie schwierig es vor allem für Frauen ist, Vollzeit-Berufstätigkeit und Familie zu vereinbaren. Und selbst dort, wo es die Familien schaffen, müssen Sie ganz oder teilweise Betreungslücken in Kauf nehmen:
Betreuungslücken am Nachmittag
Jedes zehnte Kind (9 Prozent) von Vollzeit-Berufstätigen ist am Nachmittag nach der Schule komplett unbetreut. Vier von zehn Kindern (43 Prozent) werden ausschließlich privat betreut, hauptsächlich von den Großeltern. Für zwei von zehn Kindern (19 Prozent) gibt es eine Mischform aus privater Betreuung und zeitweiser Betreuung etwa in einem Hort. Und nur drei von zehn Kindern (29 Prozent) haben durchgängig einen Platz in Schule oder Hort. Wobei es auch dann Betreuungslücken gibt, wenn prinzipiell jemand am Nachmittag aufs Kind schaut: Nur sechs von zehn Kindern (40 Prozent) werden am Nachmittag durchgängig von einer erwachsenen Person betreut.
Negativ wirkt sich der Mangel an Betreuungsangeboten in Schule oder Hort auf die Lernchancen der Kinder aus. In der privaten Betreuung sieht nur die Hälfte der Eltern (54 Prozent) eine positive Auswirkung auf die schulische Entwicklung der Kinder. Etwas besser schneiden der Hort und Halbtagsschulen mit zusätzlicher Nachmittagsbetreuung ab: Hier sehen jeweils sechs von zehn Eltern eine positive Auswirkung (Hort: 55 Prozent; Halbtagsschulen mit Nachmittagsbetreuung: 60 Prozent). Testsieger ist die echte Ganztagsschule, wo Lernen, Üben und Freizeit über den ganzen Tag verteilt werden: Ihr geben acht von zehn Eltern (80 Prozent) positive Noten.
Forderung
Die Arbeiterkammer fordert einen Stufenplan für die generelle Umstellung vom Halbtags- auf ein Ganztagsschulsystem: Erst soll es eine Ganztagsvolksschule pro Bezirk geben, dann nur noch Ganztagsvolksschulen, längerfristig soll die gesamte Mittelstufe Ganztagsbetreuungsangebote machen können. Gleichrangig mit dem Ausbau der Plätze ist die Qualität des Betreuungsangebots. Fördern statt Aufbewahren muss die Richtschnur der Entwicklung sein. Wobei die AK für echte Ganztagsschulen eintritt. „Hier haben wir die besten Ergebnisse“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel: „Alle Kinder müssen bestmöglich gefördert werden. Kein Kind soll auf der Strecke bleiben, weil es keine Betreuung gibt oder nur in mangelhafter Qualität.“
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