Aus dem Archiv! Deckname „Julius“

Eine historisch wertvolle Unterlage wurde bei den Arbeiten für die Auslagerung von Teilen der Bibliotheksbestände für die Dauer der Umbau- und Renovierungsarbeiten des AK-Gebäudes gefunden:

Es ist die Konferenzmappe des späteren Präsidenten der AK Wien und des Öster-reichischen Arbeiterkammertags, Karl Mantler (1945 - 1956), die er beim Kongress des Internationalen Gewerkschaftsbundes (IGB) in London 1936 erhielt. Sie wurde dem AK Archiv zur Archivierung und Aufbewahrung übergeben.

Deckname „Julius“

Allein das Namensschild dieser Konferenz-mappe, das mit dem Decknamen von Karl Mantler in Österreich „Julius“ versehen wurde, stellt eine Rarität dar. Der Deckname war notwendig, da Karl Mantler als Vorsitzender des vom damaligen Regime verbotenen illegal tätigen „Bundes der Freien Gewerkschaften“ an diesem Kongress teilnahm.

Denn der IGB anerkannte die im Untergrund tätige Organisation als die offizielle Vertretung der österreichischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, nicht aber den vom „autoritären Stände-staat“ (1934- 1938) staatlich eingesetzten „Gewerkschaftsbund“, als dessen Geschäftsstellen die Arbeiterkammern - entgegen ihrem ursprünglichen gesetzlichen Auftrag – eingesetzt wurden. Die Mappe wurde nach 1945 zusammen mit anderen Unterlagen des Auslandsbüros der österreichischen freien Gewerkschaften von EmigrantInnen nach Österreich zurückgebracht.

Biographischer Hinweis

Karl Mantler (1890 – 1965), gelernter Fleischhauer, ab 1913 Fachgruppensekretär der Fleischhauer im Verband der Lebens-mittelarbeiter und –Arbeiterinnen, 1934/35 Sprecher des „Siebenerkomitees“ der sozialdemokratischen Mehrheit in den verbotenen Freien Gewerkschaften, 1936 bis 1938 Vorsitzender des illegalen „Bundes der Freien Gewerk-schaften“, der den sozialdemokratischen und den kommunistischen Flügel zusammenfasste.

1937/38 in Haft der Ständestaat-Diktatur, 1939 bis 1945 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert, 1945 bis 1956 Präsident der AK Wien und nach Einführung dieser Funktion Präsident des Österreichischen Arbeiterkammertags sowie Vorsitzender der Gewerkschaft der Lebens- und Genussmittel-arbeiter, von 1945 bis 1949 Mitglied des Bundesrats, 1947 bis 1949 Staatssekretär im Ministerium für Vermögenssicherung und Wirtschaftsplanung.

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