AK Umfrage: Bachelor gilt als Studienabschluss ohne Wert

Wenig Berufschancen zugestanden

Der neue akademische Titel Bachelor ist für die Mehrheit der ÖsterreicherInnen ein Studienabschluss ohne Wert, ergibt eine AK Umfrage: Nur ein Viertel der Befragten fühlt sich gut informiert darüber, dass es für die meisten Studien mittlerweile drei aufeinander aufbauende Abschlüsse gibt – erst den Bachelor, dann den Master und dann den Doktor. Und knapp zwei Drittel der Befragten geben Bachelors keine guten Berufschancen oder haben keine Meinung dazu.

Am kritischsten denken höhere Angestellte und höhere Beamte über Bachelors – also jene, die in der Regel über Einladungen zu Bewerbungsgesprächen entscheiden. „Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn die meisten an den Bachelor noch ein Master-Studium dranhängen“, sagt AK Präsident Herbert Tumpel.

Breite Informationskampagne

Für Tumpel ist die Kritik der Studierenden am Bachelor/Master-System verständlich: „Die Bachelor-Studien dürfen nicht auf die reine kurzfristige Verwertbarkeit orientiert sein, müssen aber im Sinne der Berufsvorbildung auch Beschäftigungsperspektiven bieten.“ Vom Wissenschaftsminister verlangt der AK Präsident eine breite Informationskampagne über den Bachelor – und er und sein/e NachfolgerIn müssen sich darum kümmern, dass die Unis auch berufsbegleitend Master-Studiengänge anbieten.

20.000 Bachelors gibt es bereits in Österreich. Eingeführt ist das neue System mittlerweile in den meisten Wirtschafts-, Technik- und Naturwissenschaftsstudien. Eines der Ziele sollte sein, dass StudienabsolventInnen früher in den Beruf einsteigen. Doch für neun von zehn Uni-Bachelors war der erste Studienabschluss nach einer Mindeststudiendauer von drei Jahren nur die Voraussetzung, um mindestens zwei weitere Jahre bis zum Master zu studieren. Das ist kein Wunder bei der allgemein kritischen Einstellung gegenüber ihrem Abschluss, die die AK Befragung im September unter 1.000 ÖsterreicherInnen ergab:

38 Prozent geben Bachelors keine gute Berufschancen
  • Für die meisten ist Bachelor ein Abschluss ohne Wert: 38 Prozent der Befragten geben Bachelors keine gute Berufschancen, 27 Prozent beantworten die Frage nach den Berufschancen mit „weiß nicht“. Besonders stark lehnen höhere Angestellte und höhere Beamte die Bachelors ab – also jene, die in der Regel über Einladungen zu Bewerbungs-gesprächen entscheiden: 48 Prozent von ihnen geben Bachelors keine guten Berufschancen, 19 Prozent sagen „weiß nicht“.
  • Nur ein Viertel aller Befragten (24 Prozent) bezeichnet sich als gut informiert über den Bachelor. 30 Prozent sagen, sie seien nur ungefähr informiert, 45 Prozent zeigen sich nicht informiert.

Kein einziger berufsbegleitender Master-Studiengang

Die starke Ablehnung des Bachelor-Abschlusses muss alle Verantwortlichen alarmieren. Positiv ist, dass vor kurzem ein Gesetzentwurf zur Anerkennung des Bachelors im öffentlichen Dienst in Begutachtung geschickt wurde. Aber weiterhin zwingt die Unsicherheit über den Wert des Abschlusses zum Weiterstudieren – und das, obwohl an den Unis bisher kein einziger Master-Studiengang berufsbegleitend angeboten wird.

Das bedeutet zusätzliche Belastungen der Familien mit Ausbildungskosten: Wenn an mindestens drei Jahre Bachelor-Studium fast zwingend mindestens zwei Jahre Master-Studium angehängt werden müssen, wird das Studium im Vergleich zum bisherigen Magister (mindestens vier Jahre) verlängert.

Die AK spricht sich gegen die Konzeption von Bachelorstudien in Richtung reine kurzfristige Verwertbarkeit aus. Die Studien müssen aber im Sinne der Berufsvorbildung auch Chancen auf dem Arbeitsmarkt bieten.

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