Aufsichtsräte haben aus der Krise nichts gelernt
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Weiter wie bisher, das darf es nicht sein
Als hätte es die schwerwiegendste Wirtschafts- und Finanzkrise seit 70 Jahren nicht gegeben: Nur in jedem fünften Aufsichtsrat wird seither verstärkt auf Risikogeschäfte geschaut und nur in jedem sechsten Aufsichtsrat wird über Veranlagungspolitik diskutiert. Die Entlohnungsstruktur des Managements bleibt weiter ein Tabuthema, nur in zwölf Prozent der Aufsichtsräte wurde darüber gesprochen.
„Die wichtigsten Kontrollgremien der großen Unternehmen haben aus der Krise nichts gelernt“, sagt Heinz Leitsmüller, Experte für Betriebswirtschaft der AK. „Das ist ein Skandal. Schließlich zahlen am Ende die Beschäftigten den Preis, wenn die Kontrolle versagt. Weiter wie bisher, das darf es nicht sein“, so Leitsmüller. Die AK fordert deshalb eine Effizienzprüfung für die Aufsichtsratsarbeit. Außerdem soll per Gesetz die Zahl der Aufsichtsratsmandate beschränkt werden.
Aufsichtsräte als „zahnlose“ Kontrolleure
Denn oft sind die Aufsichtsräte zahnlose Kontrolleure - nicht zuletzt, weil viele von ihnen im Schnitt in sechs Aufsichtsräten oder Vorständen sitzen, ein Spitzenkontrolleur sogar in 26. Da bleibt den Aufsichtsräten überhaupt keine Zeit, um ihren Kontrollaufgaben wirksam nachkommen zu können.
Im Auftrag der Arbeiterkammer wurden 290 Arbeitnehmer-vertreterInnen im Aufsichtsrat dazu befragt, was sich seit der Krise im Gremium geändert hat. Ergebnis: Der Risikopolitik etwa Spekulationsgeschäften, aber auch einer Diskussion der Parameter für die Managervergütung wird kaum Raum eingeräumt. Die Aufsichtsräte sind vor allem damit beschäftigt, Strategien zu entwickeln.
Aufsichtsratsitzungen im Eiltempo ...
„Besorgniserregend finden wir das Ergebnis, dass ein Großteil der Aufsichtsratsitzungen nach wie vor im Eiltempo durchgezogen wird“, so Leitsmüller. Bisher dauerte eine Sitzung im Schnitt zwei Stunden. Daran hat sich seit der Krise nichts geändert, sagen 80 Prozent der Befragten. Nur jedes zehnte Unternehmen nimmt die Expertise von Sachverständigen in Anspruch. Und nur in jedem achten Unternehmen hat sich die Zahl der Aufsichtsratssitzungen im Zuge der Krise erhöht.
Viel zu oft übernehmen diejenigen, die eigentlich vom Aufsichtsrat kontrolliert werden sollen, die Schlüsselrolle in den Aufsichtsrats-sitzungen. Die Arbeit des Managements wird nur in jedem zehnten Unternehmen genau evaluiert. Das dürfte den Aufsichtsräten auch schwer fallen, denn in 95 Prozent der Fälle sind Vorstand und Geschäftsleitung, also die, die bewertet werden sollen, bei allen Sitzungen anwesend.
Forderung
Deshalb fordert die AK
1. eine Effizienzprüfung bzw. Selbstevaluierung der Arbeit in den Aufsichtsräten.
2. Die Zahl der Aufsichtsratsmandate im Aktiengesetz muss dringend beschränkt werden, damit den Aufsichtsräten Zeit für ihre Kontrollarbeit bleibt.
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