Best Practice Beispiel "Baxter AG"

Im Laufe von acht Jahren erwarben über 200 MitarbeiterInnen der Firma Baxter im Rahmen eines maßgeschneiderten Qualifizierungsprogramms Kompetenzen auf dem Gebiet der ergonomiebezogenen Gefahrenermittlung und -beurteilung.

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Gefahrenermittlung und -beurteilung

In Form von unternehmensspezifischen 2-Tages Ausbildungs-Workshops (Kooperation des Baxter AMD mit AUVA und human@ware) werden Ergonomie-Kenntnisse zum Thema "Büro- und Bildschirmarbeit" (bis 2008 105 TeilnehmerInnen) oder „Produktion/Labor“ (bis 2008 121 TeilnehmeIinnen) vermittelt. Alle Workshops behandeln immer sieben Ergonomie-Themen: Haltungen/Bewegungen, Arbeitsplatzmaße/Maschinen, Arbeitszeit, psychische Belastungen, Klima und Luft, Licht, Lärm.

Die TeilnehmerInnen sollen eine Basisvorstellung von Ergonomie bekommen bzw. welche Arten von Fehlbeanspruchungen es geben kann, wie diese mit ihren konkreten Arbeitsbedingungen im Unternehmen zusammenhängen, wie eine Methode zur Belastungserhebung und -bewertung angewendet werden kann, wo Verbesserungspotenziale liegen könnten und wie diese systematisch erarbeitet werden können.

Ziel Handlungskompetenz

Ziel ist der Erwerb von Handlungskompetenz. Während der Workshops finden konkrete betriebliche Praxisprojekte in Gruppen statt (Durchführung ergonomischer Analysen, Bewertung von Belastungsfaktoren, Entwicklung von Verbesserungs-vorschlägen, Präsentation von Analysen und Verbesserungs-vorschlägen gegenüber dem Management). Die erworbenen Kenntnisse sollen nach der Schulung im Arbeitsumfeld laufend aktiv eingebracht werden. Damit ist dieses Konzept eine integrierte und nachhaltige Personal- und Organisations-entwicklungsstrategie unter aktiver Einbeziehung der MitarbeiterInnenebene.

Die wirksame Umsetzung setzt die Unterstützung des Managements voraus (Prozesseinbindung, Gewährung von Zeit- und Finanzressourcen etc.). Die Präsentation des Ergo Guide-Konzepts ist fixer Bestandteil im Ausbildungsprogramm jeder Führungskraft. Da diese Führungskräfte für die Gefahrenermittlung und -beurteilung in ihrem Bereich verantwortlich sind, legen sie großen Wert darauf Ergo Guides auszubilden.

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Rolle der Ergo Guides

Die Rolle und Aufgabe der Ergo Guides wird somit in die vorhandene Sicherheits- und Gesundheitsstrategie der Firma Baxter integriert. Über die Jahre konnte an allen Standorten ein flächendeckendes Netzwerk von dezentralen Kooperations-partnern aufgebaut werden, die eine wesentliche Rolle bei der betrieblichen Gefahrenermittlung und -beurteilung spielen und KollegInnen als auch Vorgesetzte bzw. die EHS-Organisation in einem festgelegten Rahmen unterstützen.

Von den Ergo Guides wurden bisher vielfältige Ergonomie-Initiativen gesetzt (bisher mehr als 100 Ergo-Projekte). Im Intranet des Unternehmens ist eine Projektdatenbank angelegt, in der durchgeführte Ergo Guide-Projekte nach Themen geordnet dargestellt sind und somit allen Ergo Guides und anderen Interessierten zur Verfügung stehen. Im Laufe der Jahre haben immer mehr Führungskräfte aktiv die Installierung und Ausbildung von Ergo Guides in ihrem Bereich gefordert und gefördert.

"Ergo Follow Up“ Tag

Zur Gewährleistung der Nachhaltigkeit findet einmal jährlich für alle Ergo Guides ein "Ergo Follow Up“ Tag statt, der zum einen als Info-Veranstaltung zum anderen als Erfahrungsaustausch (Projektpräsentationen, Ideenaustausch, Networking) dient. Seit 2008 erhalten die Ergo Guides regelmäßig einen Newsletter mit Informationen über aktuelle Projekte und Neuigkeiten. Die Ergo Guide-Strategie hat sich seit ihrer Installierung nachhaltig entwickelt.

War es am Beginn noch schwierig TeilnehmerInnen für die Ergo Guide-Ausbildung zu gewinnen, melden sich inzwischen mehr motivierte Personen an als Plätze vorhanden sind. Wusste am Beginn noch kaum eine Führungskraft, was ein Ergo Guide ist, so möchte inzwischen jede Führungskraft eigene Ergo Guides haben. Sowohl Ergo Guides als auch MitarbeiterInnen profitieren davon, was diese Strategie zu einer im Betrieb gelebten und nachhaltigen Aktivität macht.

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Evaluation der Ergo Guide Ausbildung

Um die Effektivität und Effizienz der Ergo Guide Ausbildung zu ermitteln und gezielt zu beeinflussen, wurde eine Evaluationsstudie von der AUVA und der Baxter beauftragt, die im Rahmen einer Diplomarbeit von Elisabeth Dudak durchgeführt und von Herrn Univ.-Prof. Dr. C. Korunka (Universität Wien) betreut wurde.

Die Evaluationsstudie ergab, dass mehr als 80 % der Ergo Guides Beratungsgespräche zur Ergonomie im Arbeitsumfeld geführt, 65 % Belastungsanalysen im Arbeitsumfeld gemacht haben und mehr als die Hälfte an ergonomischen Maßnahmenplanungen und -umsetzungen beteiligt war. Von allen umgesetzten Maßnahmen befassten sich 52 % mit Optimierungsmöglichkeiten für die Haltungen und Bewegungen der Beschäftigten. Die befragten 116 Ergo Guides haben insgesamt 93 Projekte durchgeführt.

Kosten-Nutzen

Evaluationen

Dezentralisierung von Gesundheits-themen

Schlüssel-funktionen als Ergo Guides

Ergonomie-

Aufwertung

Für jedes durchgeführte Projekt liefert die Projekt-datenbank eine Kosten-Nutzen Aufstellung. Im über-wiegenden Teil zeigt sich, dass der investierte Auf-wand (Zeit, Geld) bezogen auf den erreichten Nutzen für die Betroffenen (Ver-besserung von Gesundheit/ Sicherheit, Zufriedenheit und Arbeitsqualität) in einem sehr positiven Verhältnis stehen. Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz wird nicht nur als zentral von den Präventivfachkräften, sondern auch dezentral im ganzen Betrieb von den ausgebildeten Ergo Guides auf allen Hierarchie-Ebenen, auf allen Qualfikations- niveaus und quer durch alle Abteilungen im Betrieb aktiv wahrgenommen. Es wurden auch Beschäftigte im Bereich Bau, EDV und Einkauf zu Ergo Guides ausgebildet. Damit ist es gelungen, dass schon bei der Planung von Arbeitsplätzen und beim Einkauf von Arbeitsmitteln ergonomische Aspekte stärker berücksichtigt werden. Die unfallorientierte Sicherheitsarbeit wurde durch den Ergonomie-Focus wesentlich erweitert und hat inzwischen ein breites Problembewusstsein bei Führungskräften und Mitarbeiter/innen geschaffen

Qualifikations-

Mehrwert

Motivationsschub Zusatznutzen Mehr Prozess-orientierung
Neben Ergonomie-Wissen (Theorie) und Methoden-wissen (Analyse- und Problemlösemethoden) erwerben die Teilnehmer/innen auch Kompetenzen im Projekt-management und werden dazu angeleitet, die erarbeiteten Projekte auch selbst zu präsentieren und zu argumentieren. Das ist für viele Mitarbeiter/innen (besonders Arbeiter/innen aus der Produktion) eine neue Erfahrung. Die Mitarbeiter/innen bzw. Ergo Guides erfahren, dass unangenehme und belas-tende Arbeitsbedingungen beseitigt werden können und dies auch vom Management durch Sicherung eines ange-messenen Budgets unter-stützt wird. Dies wird als Ausdruck der Wertschät-zung des Unternehmens für seine Mitarbeiter/innen und deren Gesundheit verstan-den. Bei vielen Projekten wurde auch ein Zusatznutzen (Verbesserung der Arbeits-prozesse, Qualitätsfaktoren, Umweltaspekte) sichtbar. Die Teilnehmer/innen erwar-ben nebenbei auch Kompe-tenzen im Bereich Projekt-management und Präsenta-tionstechnik. Es handelt sich nicht nur um eine Schulungsmaßnahme, sondern um eine Projekt-strategie, die unter Beteilung der Mitarbeiter/innen-Ebene zu konkreten Entwicklungs- und Verbesserungsmaß-nahmen der Arbeitsbedin-gungen im Betrieb führt.
   

Das Ergo Guide-Konzept kann als eine der erfolgreichsten und nachhaltigsten Strategien im Bereich Sicherheit und Gesundheit bei der Firma Baxter in Österreich bezeichnet werden.

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