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Private Renten können mickrig sein

Die Renditen für eine private Rentenversicherung sind karg oder können sogar zum Minus-Geschäft werden. Der Grund: Der Garantiezinssatz liegt „nur mehr“ bei zwei Prozent und wird meist von den Kosten aufgefressen. In den Angeboten finden VerbraucherInnen zwei wichtige Daten: Die vertraglich garantierte Rentenzahlung (Garantierenten) und die prognostizierte Rente inklusive Gewinnbeteiligung. Sie fällt zwar höher aus als die Garantierente, ist aber unverbindlich. Überdies waren die Beratungsgespräche mangelhaft. Das zeigt eine AK Studie, bei der zwei Modelle bei sieben privaten Rentenversicherern unter die Lupe genommen wurden.

Sonderform einer Lebensversicherung

Die AK hat die Angebote von sieben privaten Rentenversicherungen getestet, die eine Sonderform der Lebensversicherung darstellen. Bei diesen Tarifen erfolgt die Leistung der Versicherung in Form einer monatlichen Rentenzahlung. Es gab zwei Modellannahmen: Eine Frau (Jahrgang 1981) und ein Mann (Jahrgang 1976) zahlen 30 Jahre lang eine monatliche Prämie von 100 Euro ein. Beide erhalten danach eine lebenslange Rente vom Versicherer. Angenommen wurde eine statistische Lebenserwartung von 84 Jahren für die Frau und 79 Jahren für den Mann.

Bescheidene Renditen

Die AK Studie zeigt: Die Renditen, also die Effektivverzinsung, der getesteten Produkte sind äußerst bescheiden. Die 30-jährige Frau erhält eine garantierte Rendite (ohne Gewinnbeteiligung) von 0,1 bis 0,3 Prozent je nach Versicherer. Der 35-Jährige steigt sogar mit einem Minus aus. Die Rendite beträgt minus 1,2 bis minus 1,6 Prozent – das heißt, die Rentenauszahlungen sind geringer als die Summe der einbezahlten Prämien.

Kosten drücken Erträge

Die prognostizierten Renten inklusive Gewinnbeteiligung fallen zwar höher aus als die Garantie-Renten, sind aber unverbindlich und daher für einen Vergleich ungeeignet. Ein maßgeblicher Grund für die mickrigen Renditen sind auch die Kosten, die auf die Erträge drücken. Es gibt zwar einen Garantiezinssatz von zwei Prozent auf den Sparanteil. Aber er wird von den Kosten zur Gänze geschluckt.

Beispiele

Von der 100 Euro Prämie pro Monat sind vier Prozent Versicherungssteuer abzuziehen, ein Unterjährigkeitszuschlag (vier Prozent), die Stückkosten (vier Prozent), einmalige Abschlusskosten (14,1 Prozent) und laufende Abschlusskosten (2,12 Prozent) sowie Verwaltungskosten (1,21 Prozent). Das bedeutet, dass in den ersten fünf Jahren nur 70,27 Euro verzinslich (Sparanteil) angelegt werden.

Gute Beratung nötig - vor und nach Abschluss

Ob Konsumenten eine lebenslange Rente, eine Rente mit Witwenübergang, eine verkürzte Rentenzahlungsdauer, eine Rentengarantiezeit oder eine Rente mit Kapital-Rückgewähr wählen, hängt von ihrer persönlichen Einschätzung und der Lebenslage ab. Die Auswahl des optimalen Produkts ist nicht einfach und bedarf einer guten Beratung vor Abschluss, aber auch während der Laufzeit.

Schwächen in Beratungsgesprächen

Die AK Studie deckt auch Schwächen bei den Beratungsgesprächen auf. Es wurden generell keine präzisen Bedarfserhebungen durchgeführt. Die BeraterInnen haben nur einmal von sich aus gefragt, ob es bereits Lebensversicherungs- oder Vorsorgeprodukte gibt. Die Angebote sind nach wie vor nicht transparent, kritisiert die AK. Vor allem die Kosten bei Vertragsabschluss sind nicht verständlich dargestellt. Marketing-Begriffe dominieren, während klare Erfolgskennzahlen, etwa die Rendite, fehlen.

Vor- und Nachteile der verschiedenen Varianten


Forderung

1. Die AK fordert vor Vertragsabschluss einen verpflichtenden „Beipackzettel“ (Produktbezeichnung, Laufzeit, Prämienhöhe und Möglichkeiten der Indexierung, vertraglich fixierte Renten, Nebenspesen wie Unterjährigkeitszuschlag, Kosten, Möglichkeiten der Vertragsänderung). Damit können die KonsumentInnen die Angebote besser vergleichen. 2. Die Beratung vor Abschluss und während der Laufzeit muss sorgfältiger sein, was auch ein faires Provisions- und Vergütungssystem für Vermittler erforderlich macht. 3. Die Finanzmarktaufsicht muss die Info-Mindeststandards für die VerbraucherInnen konsumentenfreundlicher ausgestalten, insbesondere die verpflichtende Angabe eines Effektivzinssatzes.

Fünf Tipps für eine private Rentenversicherung:

  • Überlegen Sie einen Neuabschluss einer privaten Altersvorsorge äußerst gut. Achten Sie jedenfalls auf den Garantiezinssatz, die garantierte Rente, die Nebenspesen wie insbesondere den Unterjährigkeitszuschlag, der anfällt (zum Beispiel vier Prozent), wenn Sie die Prämie monatlich (oder quartalsweise) anstatt die Jahresprämie im Vorhinein bezahlen, die Leistungen bei vorzeitiger Vertragsauflösung. Denn die Vertragsbindung ist lange. Wer vorzeitig aussteigen will, muss mit teuren Kosten rechnen.

  • Überlegen Sie genau die Prämienhöhe bzw. die vereinbarten Versicherungssummen. Denn viele „SparerInnen“ können sich die Beiträge über eine lange Laufzeit einfach nicht leisten. Eine Reduktion ist zwar möglich, hat aber Nachteile: Die Kosten werden von der gesamten Prämiensumme zu Vertragsbeginn berechnet.

  • Achtung bei einem Austausch eines Vorsorgeprodukts gegen ein anderes – das kommt einer Geldvernichtung gleich. Wenn BeraterInnen bestehende Produkte schlechtreden, geht es meistens nur darum, den alten Vertrag auszuspannen um beim neuen wieder Provisionen zu kassieren.

  • Achten Sie auf die Gewinnbeteiligungsnachrichten der Versicherungsunternehmen, und bestehen Sie auf erläuternde Informationen, etwa zu den Kosten oder zur Gewinnbeteiligung. Bei Unklarheiten nicht locker lassen!

  • Achten Sie auf Indexklauseln zum Beispiel von vier Prozent. Das führt zwar zu einer Wertanpassung der Versicherungsleistung, aber auch die Prämie steigt von Jahr zu Jahr an. Diese Dynamik kann auf das Geldbörsel drücken. VersicherungsnehmerInnen können die Indexklausel auch während der Laufzeit streichen.

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Was ist eine Rentenversicherung? Welche Formen gibt es? Wie werden Privatpensionen ausbezahlt? Was versteht man unter Deckungsstock oder Unterjährigkeitszuschlag? Das AK Versicherungsglossar hilft, den Jargon der Versicherungen besser zu verstehen und einen Überblick über eine komplexe Materie zu gewinnen.

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