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Vor­sicht bei der Gold­an­la­ge!

„1923 Wirtschaftskrise“, „Schwarzer Freitag“, „Gold gilt als sicherstes Zahlungsmittel und sicherste Vermögensanlage weltweit“ – so oder so ähnlich werben die Anbieter von Goldsparplänen im Internet, bei denen der Sparer mit monatlichen Beträgen Gold erwirbt.

Aber mit den Informationen nehmen es die Anbieter auf ihren Sites nicht so genau: Sie geizen mit aktuellen Preisen und Spesen. Die Geschäftsbedingungen fehlen oder müssen gesucht werden. Wo das Gold aufbewahrt wird, wird auch nicht immer enthüllt Wer Philharmoniker oder Goldbarren bei der Bank oder einem Münzhändler kauft, muss mit großen Preisunterschieden rechnen. Das zeigt eine aktuelle AK Erhebung bei sieben Goldanbietern im Internet und sieben Banken.

Goldsparpläne im Internet: Wie funktionieren sie?

Die AK hat sieben Goldanbieter im Internet überprüft: Argus Noble Metal, Auvesta, Bullion Value KG, EVVE, GoldMoney, Gold&Silber, KB Edelmetall. Sie bieten Goldsparpläne fürs Anlegen an.

Generell sieht der Vertrag vor, dass Anleger mit monatlich festgelegten Sparbeträgen Anteile von Gold erwerben. Ein Beispiel: Für 25 Euro monatlich kaufen die Anleger Goldbarren ab ein Gramm Gold. So können auch Kleinanleger nach einigen Jahren des Ansparens eine größere Menge an Gold besitzen. Die laufend erworbenen Anteile von physischem Gold werden entweder in der Depotbank oder einer Lagerstelle aufbewahrt oder dem Anleger zugeschickt.

Bei zwei Anbietern EVVE, GoldMoney) kann zwar Gold erworben werden, aber nicht in Form eines Sparplans. Die Käufe müssten jedes Mal einzeln abgewickelt werden.

Was die AK bei den Goldanbietern festgestellt hat:

  • Mindestbetrag oft erforderlich: Goldsparpläne gibt es ab einem monatlichen Mindestbetrag von 25 Euro. Häufig ist aber ein einmaliger Mindestbetrag von zum Beispiel 1.500 Euro nötig.

  • Aktuelle Tagespreise gibt’s nicht immer: Die Ankaufskurse von Gold sind nur in drei von sieben Fällen auf der Homepage abrufbar. Die Verkaufskurse haben nur vier von sieben Anbietern auf ihren Seiten.

  • Gold wird euphorisch angepriesen: Auf einer Homepage heißt es sogar, dass der Anleger immer risikolos gewinnen könne. Diese Aussagen sind eine grobe Verharmlosung der Charakteristik des Goldpreises. In einem anderen Fall wird die Annahme einer Goldpreissteigerung von 12,5 Prozent pro Jahr als „moderate“ Annahme beschrieben. Die AK kritisiert, dass deutliche Risikohinweise, die insbesondere auf die Volatilität des Goldpreises aufmerksam machen, generell auf den untersuchten Homepages fehlen.

  • Spesen und Nebenkosten gut versteckt: Die Informationen über Spesen und Nebenkosten sind oft gar nicht, nur sehr schwierig oder im Ansatz zu finden. Fünf von sieben Anbietern haben Kostenformationen auf der Homepage – jedoch teilweise nur in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen versteckt oder unvollständig.

  • Geschäftsbedingungen verheimlicht: Die Geschäftsbedingungen oder Ver-tragsgrundlagen müssen oft gesucht werden. In zwei von sieben Fällen sind sie gar nicht auf der Homepage vorhanden.

  • Wo wird das Gold aufbewahrt? Wo die Depot- oder Verwahrstelle des Goldes ist, wird nicht immer genau genannt: Zwei Anbieter informieren gar nicht darüber, zwei weitere geben die Informationen nur eingeschränkt weiter. Nur drei sagen, wo das Gold deponiert wird.

  • Weltuntergang-Szenarien, um Verkauf anzuheizen: Es poppen zum Beispiel Fenster von der Wirtschaftskrise von 1929 auf – mit dem Hinweis, dass nur das Gold eine „Krisenwährung“ ist oder das Ende des Finanzsystems bevorstehe.

Ein Geschäft für Anleger?

Die Spanne zwischen Verkaufspreis (den der Anleger an den Anbieter bezahlt) und dem Ankaufspreis (den der Anleger beim Rückkauf bekommt) ist höchst unter-schiedlich, in vielen Fällen sogar beträchtlich: bis 30 Prozent!

Was bedeutet eine Spanne (Abschlag) von 30 %?

Ein fiktives Beispiel: Der Anleger kauft einen Goldbarren um 100 Euro. Verkauft der Anleger wiederum die-sen erworbenen Barren, dann bekommt er einen Ankaufspreis von 70 Euro. Das bedeutet: Gerade bei kleinen Goldnotierungen besteht zwischen Verkaufspreis (das ist der Preis, zu dem der Anleger den Goldbarren von der Bank oder dem Anbieter kauft) und Ankaufspreis (das ist der Preis, den der Anleger beim Rückkauf durch die Bank oder den Anleger erzielt) ein erheblicher Unterschied.

Spanne muss erst einmal verdient werden

Diese Spanne, also die Differenz aus Verkaufs- und Ankaufskurs, muss der Anleger durch die beträchtliche Preissteigerung des Goldes erst einmal verdienen. Kommen vom Anbieter einmalig und laufend verrechnete Spesen hinzu, ist die Frage offen, ob Goldsparpläne wirklich den Anlegern etwas bringen, vor allem, wenn die euphorischen Goldprognosen ausbleiben.

Zwei Rendite-Berechnungen

Die AK hat die Rendite anhand von zwei Modellannahmen berechnet.

Szenario 1: Goldpreis steigt kontinuierlich um 6,51 Prozent pro Jahr.

Szenario 2: Goldpreis steigt um 8,71 Prozent pro Jahr.

Was schaut für einen „Goldsparer“ heraus, der über sieben Jahre Monat für Monat 100 Euro in einen Goldsparplan einzahlt, um laufend physisches Gold in Kleinmengen zu erwerben?

Fazit dieser Berechnungen: In beiden Modellberechnungen beläuft sich die Rendite auf Null – denn ein Abschlag von 27 Prozent vom Verkaufspreis am Ende der Behaltedauer von sieben Jahren macht die Wertsteigerung des Goldpreises der Vorjahre zunichte.

Goldbarren, Münzen & Co: Große Preisunterschiede

Neben den Goldanbietern im Internet hat die AK die Goldpreise bei sechs Banken erhoben. Ergebnis dieser Preiserhebungen: Goldmünzen wie Philharmoniker, Golddukaten, Gulden oder Goldbarren (von einem Gramm bis zu einem Kilogramm) kosten unterschiedlich viel.

Generell kann festgestellt werden, dass die Spanne zwischen An- und Verkaufskurs geringer wird, je größer das Gewicht der Münzen oder Barren wird. Beträgt die Spanne bei einem Goldbarren mit einem Gramm noch bis zu rund 30 Prozent, verringert sie sich bei einem Kilogramm Gold bereits bis auf rund ein Prozent.

Aber auch nur bei einem Barren von einem Gramm differieren die Spannen: 19,6 bis 29,6 Prozent. Bei Goldmünzen kommt in der Regel noch der sogenannte Prägezuschlag dazu, der für das Herstellungsverfahren verlangt wird.

Die Verkaufspreise driften stark auseinander:

  • Philharmoniker (eine Unze): 1.248 bis 1.271 Euro

  • Goldbarren (ein Gramm): 48,55 bis 54 Euro

  • Goldbarren (50 Gramm): 1.940,40 bis 2.015 Euro

  • Kilogramm Barren: 38.586 bis 39.640 Euro

Erhebungstag: 29.09.2011

Golddepots: Unterschiedliche Kosten

Wer sein Gold sicher einlagern möchte, kann das bei Banken machen. Die Anbieter haben verschiedene Bedingungen und Gebühren für die Gold-Verwahrung. So beträgt die jährliche Depotgebühr 0,24 bis 0,264 Prozent pro Jahr. Bei manchen Banken können noch Kaufspesen anfallen, zum Beispiel 1,25 Prozent vom Kaufvolumen oder Ausfolgungsspesen (etwa 2,4 Prozent vom Kurswert).

Das fordert die AK: Die AK Untersuchung zeigt: Die Preisunterschiede für Goldbarren, Münzen oder Dukaten sind groß, ebenso wie die Spannen. Die Goldanbieter mit ihren Goldsparplänen unterschlagen auf ihren Homepages oft wichtige Informationen für die Konsumenten. 

Daher verlangt die AK: 



1. Sorgfältige Beratung
Der Goldpreis entwickelt sich nicht zwangsläufig immer nach oben. Es muss dem Kunden klar gesagt werden, dass der Goldpreis auch regelrecht abstürzen kann und auch großen Schwankungen unterliegt.

2. Websites mit klareren Informationen
Bei den meisten Websites fehlen Risikohinweise gänzlich, nämlich dass der Goldpreis sehr beweglich ist und in der Vergangenheit beträchtlichen Schwankungen unterworfen war. Auf den Homepages finden sich oft Ankündigungen wie „goldene Renditen“. Bei einem anderen Anbieter heißt es etwa, die angenommene 12,5-prozentige Wertsteigerung sei „moderat“. Wie sich der Goldpreis entwickelt, steht in den Sternen.

3. Alle Kosten klar auf den Tisch
Die Anbieter sollen vollständige, übersichtliche Informationen über die An- und Verkaufskurse sowie die einmalig verrechneten und laufend angelasteten Spesen den Kunden aushändigen. Denn der Goldkauf ist für den Anleger ein teures Geschäft: Gerade bei kleinen Notierungen gibt es eine erhebliche Spannen zwischen An- und Verkaufskurs. Und: Etliche Anbieter verlangen Nebenspesen für Lagerung, Zusendung oder Verwaltung.

Worauf Konsumenten beim Goldanlegen achten sollten:

  • Höherer Preis wirft Gewinn ab: Vergessen Sie nicht: Physisch erworbenes Gold wirft keine Zinsen oder Dividenden ab. Die Rendite ergibt sich nur aus der Wert- oder Preisentwicklung. Der Goldpreis unterliegt großen Wertschwankungen.

  • Keine Sicherheit: Beim Kauf von Goldbarren oder Goldmünzen gibt es für das eingesetzte Kapital keine Garantie. Vergleichen Sie daher die Ankaufspreise der Banken beim Rückkauf von physischem Gold!

  • Achtung, zusätzliches Währungsrisiko: Gold notiert in US-Dollar. Das heißt: Der aktuelle Goldpreis hängt unmittelbar vom Wechselkurs zwischen Euro und Dollar ab.

  • Mehrere Angebote einholen: Auch wenn sich die Kurse für Gold mehrmals am Tag ändern können, empfiehlt es sich, die Preise zu vergleichen.

  • Vorsicht beim Verkauf von Goldschmuck: Seien Sie vorsichtig bei Werbeangeboten wie "Bestpreis für Altgold", "Bargeld für Schmuck", "Barankauf und Fachberatung". Es gibt große Preisunterschiede, und es lauern Fehler beim Abwiegen und Bemessen.

  • Gold ist nicht gleich Gold: Es gibt verschiedene Goldprodukte. Zum einen das physisch erworbene Gold (Barren, Münzen), zum anderen verschiedene Gold-Wertpapiere. Wertpapiere verbriefen den Wert Gold, etwa Gold-Aktien, Gold-Zertifikate, Gold-Fonds. Wenn es sich um Wertpapiere handelt, dann gibt es gesetzliche vorvertragliche Beratungspflichten von Banken und Wertpapierberatern.

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